Waiting For Louise präsentiert: Michaels Favoriten von 2010 
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Michaels Favoriten 2010

Jahresrückblick

Mit meinem Musikgeschmack bin ich schon eine ganze Zeit lang nicht mehr "Up To Date". Auch die Überschneidungen meiner Favoriten und denen der "amtlichen Rockzeitschriften" werden immer spärlicher: So tauchen zum Beispiel gerade einmal drei meiner Lieblinge in den Top50 vom Musik Express auf: Belle & Sebastian (#47 im ME und #9 bei mir), Joanna Newsom (#29) und Midlake (#16). Etwas besser sieht es beim Rolling Stone aus: 5 von 25 der dort genannten Jahresbesten mag ich auch sehr: erneut Joanna Newsom (#4 im RS), Lloyd Cole (#5), Tracey Thorn (#11), Richard Thompson (#12 im RS und # 10 bei mir) und Caitlin Rose (#18).
(13.02.2011)

Das Album des Jahres

#1: The Green Apple Sea: "Northern Sky - Southern Sky" (K&F, Okt. 2010)

Die Band um den Sänger und Songschreiber Stefan Prange spielt erstligareifen Singer/Songwriter-Folkrock (sowas heißt ja seit einigen Jahren "Americana") und stammt überraschenderweise aus Münster, besser gesagt, wie ich auf dem leider nur mäßig besuchten Konzert vor genau einer Woche im Duisburger Steinbruch erfahren konnte, aus Haselünne im Emsland. Aufgefallen waren sie mir zum ersten mal mit ihrer CD aus der Reihe Return To Sender, die sie zusammen mit der Nürnberger Band Missouri aufgenommen haben. Inzwischen ist Prange in Nürnberg verheiratet und zwei Missouri-Musiker haben das Emsland-Trio zum Quintett erweitert. Live war das alles schon ziemlich klasse, aber die neue CD, die wahrscheinlich wieder kein Schwein ausser mir kaufen wird, ist sogar noch besser. Neben den Songs überzeugt vor allem der mehrstimmige Gesang, der sich anscheinend Brian Wilson und seine neue Band als Vorbild genommen hat. Das könnte nach Loretta meine nächste heimische Band für's Jahrestreppchen werden!
(25.10.2010)

Mein Sieger des Jahres kommt also tatsächlich aus dem Emsland ...
(31.01.2011)

Konzerthighlight I: Steinbruch, Duisburg, 19.10.2010

Konzerthighlight II: K4, Nürnberg, 11.02.2015. Stefan Prange im Duo als Vorprogramm zu Walter Salas-Humara: mehr darüber hier.

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weitere Highlights des Jahres (die Top 10)

#2: Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra: "Kollaps Tradixionales" (Constellation, Feb. 2010)

Auf diese Platte bin ich über das Format - ein 10-Zoll-Doppelalbum mit beiliegender CD - aufmerksam geworden, ohne die Band aus Kanada vorher gekannt zu haben. Zwar war sie nicht gerade billig (über 20€!), aber bei diesem niedlichen Format reagiere ich nicht immer vernünftig. Auf jeden Fall machten das Cover und der Waschzettel vom Glitterhaus neugierig und ich habe bestellt. Gestern kam das Paket und ich lausche einer gewaltigen, beeindruckenden Musik, die ich erst einmal verdauen muss, um etwas wirklich geistreiches darüber sagen zu können.
Bei der Band handelt es sich übrigenz um einen Ableger bzw. ein Nebenprojekt der kanadischen Avantgardeband Godspeed You Black Emperor und dies ist bereits das sechste Album seit 2000, allerdings wechselt der Name immer ein wenig: zuerst hiessen sie "A Silver Mt. Zion", zwischendurch "The Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & The Tra-La-La-Band With Choir" und inzwischen eben "Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra". Immer dabei waren Gitarrist Efrim Menuck, Kontrabassist Thierry Amar und Geigerinnen Sophie Trudeau und Jessica Moss. Zur aktuellen Besetzung gehört ausserdem Trommler Dave Payant. Von den Livequalitäten des Quintetts kann man sich sehr gut bei Youtube überzeugen. Auf jeden Fall rocken "Silver Mt. Zion", wie ich sie mal verkürzend nennen möchte, trotz des Übergewichts an "klassischen Instrumenten" (Kontrabass und zwei Geigen gegenüber E-Gitarre und Schlagzeug!) gewaltig.
(28.02.2010)

Die Band war auch an dem gelungenen Comeback-Album "Hot Wax" von Grant Hart bei der schönen Ballade "Barbara" beteiligt. Weiterhin haben sie auch den im vergangenen Dezember leider verstorbenen Vic Chesnutt auf zwei seiner letzten Alben begleitet, die ich aber noch nicht hören konnte.
(17.03.2010)

"At The Cut" von Vic Chesnutt ist gerade mit der Post gekommen ... und noch besser als erhofft!
(21.03.2010)

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#3: Blitzen Trapper: "Destroyer Of The Void" (Sub Pop, Juni 2010)

Auch das neue Werk von Blitzen Trapper kommt in der unschlagbaren Kombination Doppel-Vinyl mit MP3s. Der erste Höreindruck ist ziemlich vielversprechend! Später mehr dazu.
(09.07.2010)

Am Donnerstag war ich nach vielen, vielen Jahren erstmals wieder im Gleis 22 in Münster, wo Blitzen Trapper einen großartigen Auftritt hingelegt haben. War der erste Höreindruck vom Album noch etwas oberflächlich geraten, so kristallisieren sich jetzt doch einige Lieder heraus, die genauso gut sind wie der "Black River Killer" vom Vorgängeralbum "Furr" von 2008. Ausserdeem bekommen sie auch live diesen tollen dreistimmigen Gesang hin (Sänger & Songschreiber Eric Earley meist zusammen mit Akustikgitarrist Erik Menteer und Schlagzeuger Brian Adrian Koch).
(14.11..2010)

Konzerthighlight: Gleis 22, Mnster, 11. November 2010

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#4: Laura Veirs: "July Flame" (Bella Union, Jan. 2010)

Laura Veirs würde "in einer besseren Welt die Massen bewegen ... In unserer grauen Wirklichkeit aber bleibt es wieder mal einer eher überschaubaren Zahl von Wissenden überlassen, dieser erdverbundenen Fee des Feinklangs ein weiteres Mal zu verfallen. " - treffend formuliert es der Mann aus dem Glitterhaus. Schon beim ersten Hören ist klar, dass auch das neue Album mindestens die Qualität vom Vorgänger "Saltbreaker" von 2007 hat. Die Produktion lag wie immer in den Händen des Schlagzeugers und Tonmeisters Tucker Martine, mit dem sie auch privat liiert ist. Ein starkes Team.
"Saltbreaker" war übrigenz noch beim edlen Warner- Sublabel Nonesuch erschienen. Es kann aber auch sein, dass da für Europa und USA unterschiedliche Veröffentlichungsstrategien gefahren werden: auch das Album von The Low Anthem kam in Europa beim britischen Indie-Label Bella Union und in den USA bei Nonesuch heraus, so weit ich das überblicke. Wie auch immer.
(08.01.2010)

"July Flame" lauft bei mir rauf und runter. Mein erstes Album des neuen Jahres ist direkt der erste Kandidat für das beste Album des Jahres!
(13.01.2010)

Letzte Woche war ich mit einer guten Freundin in Köln beim Auftritt von Laura Veirs mit ihrer neuen Band "The Hall Of Flames", in der die beiden Songwriter ud Multiinstrumentalisten Eric Anderson (eigenes Projekt: "Caltaldo") und Nelson Kempf (Chef der Band "The Old Believers") und die Geigerin Alex Guy mitwirken. Zuerst gab es wenig überzeugende Solospots von Kempf und Anderson, aber dann kam Laura auf die Bühne - und alles wurde gut! Das Mädel ist übrigenz hochschwanger und lieferte einen wunderbaren Auftritt ab. Aber Schwangerschaft ist ja auch keine Krankheit. Ich weiss nur nicht, ob ich, wenn ich Tucker Martine wäre, meine Frau bzw. Freundin alleine auf Europatournee lassen würde. Aber das geht mich ja nichts an. Ausserdem macht Laura Veirs den Eindruck, als wenn sie selbst genau weiss, was sie tut: Sie hatte ihre Band schon ziemlich gut im Griff. Besonders gut gefielen mir der Titelsong "July Flame" (jetzt weiss ich endlich, wie sie ihren charakteristischen Sound auf der E-Gitarre hinbekommt!) und der überraschende Coversong: "Never Going Back" von Fleetwood Mac (vom Album "Rumours", kennt jeder)
(09.02.2009)

Konzerthighlight: Köln, Studio 672, 02.02.2010

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#5: Motorpsycho: "Heavy Metal Fruit" (Stickman, Jan. 2010)
Beängstigend: auch das zweite Album des Jahres 2010, das den Weg zu mir findet, ist ein Kandidat für das Album des Jahres! Motorpsycho gehören schon seit vielen Jahren zu meinen Favoriten - und besonders dann, wenn sie dem HEAVY-Aspekt ihres Wesens nicht gänzlich nachgeben und gleichzeitig ihre FOLK- und PSYCHEDELIC-Seite nicht vergessen. Deshalb ist schon beim ersten Hören des neuen Albums, gerade mal ein halbes Jahr nach der VINYL-ONLY-Veröffentlichung "Child Of The Future", klar, dass das neue Werk sogar in der an Highlights nicht gerade armen Veröffentlichungsliste der Band etwas ganz Besonderes darstellt.
Ich bin erschlagen von der Heftigkeit und gleichzeitig begeistert & berührt von den filigranen Dazumischungen! So braucht der Opener "Starhammer" fast drei Minuten bis zum ersten lauten Ton und bricht nach fast 13 Minuten ohne Ausblenden oder gespieltem Schluss einfach ab. So etwas würde kein "normaler" Rock-Produzent durchgehen lassen. Und unter vier Minuten bleibt nur die wunderschöne Pianoballade "Close Your Eyes". Danach wird es wieder wilder: "W.B.A.T." ist je nach Blickwinkel oder gerade laufender Passage eine entspanntere Variante von John McLaughlins Mahavishnu Orchestra, eine rockigere Version von Robert Fripps King Crimson, eine intelligentere Version von Black Sabbath oder sogar Beatles durch den Gitarrenbooster gejagt. Und am Ende gibt's dann noch bei "Gullible's Travails" 20 Minuten Ohrenkino vom Feinsten. WAHNSINN!
Wenn es überhaupt etwas zu meckern gibt, dann vielleicht über den (scheinbar) plumpen Titel der CD oder das Cover in seiner Photoshop-Ästhetik - eben Motorpsycho-Humor. Oder hab ich's nicht richtig verstanden?
(17.01.2010)

Konzerthighlight: Köln, Gloria, 28.05.2010

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#6: Christian Scott: "Yesterday You Said Tomorrow" (Universal/Concord, Feb. 2010)
Am vergangenen Dienstag kam ein Anruf von meinem Freund Frank: er habe zwei Freikarten für ein Jazzkonzert am kommenden Abend in Kempen mit dem amerikanischen Jazztrompeter Christian Scott. Weil ich von dem Mann aber bisher noch nie etwas gehört hatte und ausserdem eigentlich keine Lust, nachts bei Eisesglätte mit meinem Wagen durch den linken Niederrhein zu heizen, wollte ich eigentlich schon absagen, aber Frank kann mitunter sehr überzeugend sein.
Also waren wir beide am Mittwoch Richtung Kempen unterwegs (ein nettes Städtchen, soweit man das im Dunkeln beurteilen kann!), um dort im Jugendzentrum "Campus" einem grandiosen Auftritt beizuwohnen: gestern noch in Paris und morgen in Berlin legte das Christian Scott Quintet bei uns am beschaulichen Niederrhein einen Zwischenstopp ein und spielte ein dermassen gutes Konzert, dass ich mir am Donnerstag sofort das neue Album bestellen musste, das mir dann auch bereits am Samstag morgen von meinem wie immer gut gelaunten Briefträger überreicht wurde.
Beim Konzert hatte Mr. Scott noch schmunzelnd damit kokettiert, dass die BBC sein neues Album zu einem der besten Jazzalben der letzten 50 Jahre erklärt hätte, was natürlich totaler Humbug ist, aber beim Hören beschleicht mich jetzt sogar der Gedanke, dass die BBC vielleicht sogar recht haben könnte.
Um Euch noch neugieriger zu machen hier ein kurzes Zitat vom Künstler aus den Liner-Notes: "YYST was designed in subject matter and sound to have the brevity and the character of the recordings of the '60s (the John Coltrane Quartet, Miles Davis 2nd quintet, Bob Dylan, Hendrix, Mingus, etc.), a period when music was in direct relationship to society in view and application.". Wenn ich jetzt das Namedropping noch um Radiohead ergänze ("Eraser", die einzige Fremdkomposition, stammt von Thom Yorke) , dann haben wir (fast) alle Hinweise zum Verständnis dieser Musik zusammen.
Erwähnt werden muss ausserdem noch die tolle Band von Platte und Konzert (Pianist Milton Fletcher, Bassist Kris Funn, Gitarrist Matt Stevens und Wahnsinnstrommler Jamire Williams), sowie der legendäre, inzwischen 85 Jahre alte Tonmeister Rudy van Gelder, von dem dieses Album aufgenommen wurde. Schön, dass dieser Mann noch unter uns weilt! Doch genug mit den vielen Querverweisen. Jetzt gilt für alle: selber hören! Wie ernst es Christian Scott mit seiner Verehrung von Bob Dylan ist, kann man übrigenz in dem kleinen Werbefilm erfahren, der auf den Webseiten der einschlägigen Internet-CD-Händler zu sehen ist.
(22.02.2010)

Konzerthighlight: Kempen, Jazz Club im Jugendzentrum Campus, 17.02.2010

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#7: Ougenweide: "Herzsprung" (bureau b./Große Freiheit, April 2010)

Das bereits zweite Comeback dieser Hamburger Folkband mit Hang zum Mittelalter hatte ich definitiv nicht auf dem Radar. Wegen des schönen Covers hatte ich aber online mal akustisch reingeschnuppert und war angenehm überrascht. Außerem davon überrascht, dass schon nach wenigen Ougenblicken klar war, dass ich mir das Album bestellen würde.
Gerade kam es mit der Post bei mir an. Nach dem ersten Hören bin ich sogar richtig begeistert: vielleicht ist "Herzsprung" sogar das beste Album der Band überhaupt. Vielleicht auch was für meine Liste der Besten des Jahres!
Zur Musik will ich später mal mehr erzählen. Hier nur ein paar kurze Infos: von der alten Bestzung sind Sänger Olaf Casalich und die Wulff-Brüder dabei. Die weibliche Gesangstimme hat die mir bislang unbekannte Sabine Maria Reiss übernommen. Produziert und aufgenommen haben die bereits erwähnten Stefan Wulff und Frank Wulff in der Zeit von 2000 bis 2009. Multiinstrumentalist Stefan Wulff ist auch der (heimliche) Held dier Platte, denn seine Liste an kompetent eingesetzten Saiten-, Blas-, Tasten- und wasweissich-Instrumenten ist schier endlos. Leider ist er im März nach kurzer und heftiger Krankheit verstorben, hat also die Veröffentlichung seines Meisterwerks (das darf man wohl sagen) nicht mehr erleben können.
(20.05.2010)

Ich hab gerade mal in "Sol", das erste Comebackalbum von 1997 reingehört, das im Unterschied zum durchgängig akustischen "Herzsprung" voll mit Mitte der 90er wohl moderner Computer- und Digital-Keyboardklänge ist. Und dann klingt der Gesang mehrerer Damen auch noch so schrecklich esotherisch wie bei Enya (so weit ich mich mit so etwas überhaupt auskenne!). Und dann wird auch noch English gesungen! Nicht dass ich prinzipiell was dagegen hätte - aber bei Ougenweide? Was sol das? Egal, denn "Herzsprung" und auch die kürzlich von mir wiederentdeckten frühen Alben sind einfach nur wunderbar!
(17.07.2010)

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#8: The Magic Numbers: "The Runaway" (V2/Heavenly Recordings, Juli 2010)
Das Bruder/Schwester-Doppel mit dem von mir lange erwarteten Nachfolger zum immerhin auch schon wieder fast vier Jahre alten Vorgänger "Those The Brokes". Gereifter Edelpop ohne jeglichen Stadionrockverdacht. Eine kleine, schöne und gleichzeitig traurige Nebensache: die wunderbaren Streicherarrangement stammen von niemand geringerem als Robert Kirby (Nick Drake-Fans heben jetzt kurz wissend und geniessend die Augenbraue!), der leider vor kurzem verstorben ist.
Übrigenz wird die Band immer wieder mit den Mamas & Papas verglichen. Zwar habe ich nichts gegen dieses Gesangtruppe, ganz im Gegenteil, aber der Vergleich hinkt, denn musikalisch gibt es wenig Gemeinsamkeiten. Was mir stattdessen eher in den Sinn kommt: Fleetwood Mac zu Zeiten von Rumours! Bei "Throwing My Heart Away" muss ich immer an Stevie Nicks denken (etwa "Dreams" oder "Rhiannon"). Und das soll natürlich ein Lob sein.
Als Bonus enthält das Vinyl-Doppelalbum eine 7"-Single mit dem puren Streicherarrangement von Robert Kirby zur ersten Single "The Pulse": auch das funktioniert schon ganz wunderbar für sich alleine.
(04.08.2010)
#9: Belle & Sebastian: "Write About Love" (Rough Trade, Okt. 2010)
... und noch eine Band, die ich in den letzten Jahren irgendwie aus den Augen verloren hatte. Die Schotten sind mit ihrem Gitarrenpop nun auch schon etwa 15 Jahre im Geschäft und haben möglicherweise gerade eines ihrer besten Alben abgeliefert!
(24.12.2010)
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#10: Richard Thompson: "Dream Attic" (Proper, Sept. 2010)
Wäre Rock'n'Roll olympisch und gäbe es dort einen Triathlon für Gesang, Komposition und Gitarre, so könnte es nur einen Goldmedalliengewinner geben: natürlich Richard Thompson, Ex-Fairport Convention und britischster aller Exil-Briten in den US of A. In der Einzeldisziplin "Gitarre" wäre er sogar in meiner engeren Wahl für Gold und auch bei "Komposition" käme er garantiert in den Endkampf. Als "Sänger" finde ich ihn zwar auch sehr gut, aber für's Treppchen fallen mir da ein paar andere ein, die meisten Tim oder Nick mit Vornamen heißen.
Noch mehr Positives zum neuen Album gefällig? Zum einen ist das Cover zur Abwechselung mal NICHT HÄSSLICH. Da hat uns Mr. Thompson in der Vergangenheit doch schon so Einiges zugemutet (siehe dazu weitere Beispiele unter "Ugly Cover"). Zum anderen handelt es sich um ein Livealbum mit ausschlieslich neuen Liedern. Den Mut zu sowas hatte nach meiner löchrigen Erinnerung bislang nur Neil Young bei "Time Fades Away". Dem gegenüber würde ich "Dream Attic" sogar noch deutlich höher einschätzen. Und wenn ich unbedingt noch ein Haar in der Suppe finden muss: auf den am Ende jedes Liedes zu hörenden und immer vor dem nächsten Lied wieder ausgeblendeten Publikumsapplaus hätte ich ganz verzichtet oder zum Eindruck eines kompakten Einzelkonzerts verdichtet. Aber was weiß ich den schon ...
(13.09.2010/15.01.2010)
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der gute Rest ...

"Dan Berglund's Tonbruket" (Act, Jan. 2010)
Der schwedische Bassist Dan Berglund spielte bisher im Esbjörn Svensson Trio, einem der weltbesten Jazz-Piano-Trios der letzten Jahre, obwohl "E.S.T.", wie die Truppe auch kurz & knapp genannt wurde, eigentlich nie pur Jazz, sondern immer auch ein wenig "Rock" und alles mögliche andere war. Nach dem Unfalltod des Pianisten Esbjörn Svensson und somit dem zwangsläufigen Ende des Trios vor wenigen Jahren präsentiert Berglund hier seine neues Quartett, das noch weniger "pur Jazz" ist als die alte Band. Bei den ersten Tönen des Gitarristen Johan Lindström auf seiner Lapsteel bei der Eröffnungsnummer "Sister Sad" fühlt man sich eher an die Eröfnungssequenz von Pink Floyds "Wish You Were Here" erinnert: auch David Gilmour setzte gerne dieses sonst eher im Country angesiedelte Instrument ein. Zwar versuchen die Musiker von Tonbruket gar nicht erst, die musikalische Lücke von E.S.T. zu schließen (höchstens die "kommerzielle Lücke", denn auch Tonbruket veröffentlicht beim deutschen Jazzlabel Act!), aber ein besonderes Augenmerk liegt sicherlich auf dem Mann, der hier auf dem Klavierhocker in ziemlich großen Fußstapfen sitzt: es handelt sich um den offensichtlich sehr gut beschäftigten Martin Hederos, der ja schließlich auch die Tasten bei den Rockern von The Soundtrack Of Our Lives bedient und unter dem Namen Hederos & Hellberg ein gefragtes Klavier/Gesangs-Duo hat bzw. hatte.
Ist das hier jetzt also "Jazz"? Oder "Rock"? Kein Ahnung - aber auf jeden Fall gute Musik- und auf gar keinen Fall das, was man im Allgemeinen als "Jazzrock" bezeichnet oder als "Progrock"!"Und das ist gut so!", wie unser Wowi aus Bärlin so schön sagt.
(07.02.2010)
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Get Well Soon: "Vexations" (City Slang, Jan. 2010)

Auf dieses schöne & schwere Vinyldoppelalbum musste ich einige Tage warten. Der erste Höreindruck ist eigentlich ganz gut, aber richtig gute Songs mit dem Ohrwurmfaktor, wie beim Debütalbum "Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon", konnte ich auf die Schnelle nicht finden. Auf jeden Fall liegt dieses oppulente Album im Klappcover gut in den Händen. Ich bin sogar versucht zu glauben, dass dadurch die Musik beim Hören besser klingt. Ach ja - natürlich mit dem erhofften MP3-Downloadgutschein!
(12.02.2010)

Am Samstag war die Band in Haldern zu Gast. Und weil auch Musée Méchanique dort eigentlich spielen sollten bin ich natürlich hingefahren. Aber leider bin ich auch nach dem guten Auftritt der Band immer noch nicht viel schlauer, ob ich die Platte jetzt gut finde ohne nicht. Eigentlich stimmen alle Zutaten, aber irgend etwas fehlt ... vermutlich sind es doch die ein wenig zu melancholischen Lieder mit den ein wenig zu traurigen Melodien, die mir nicht wirklich gefallen, aber man kann es auch ganz schlicht so sagen: zu viel Klassik, zu wenig Rock'n'Roll - aber das trifft es auch irgendwie nicht ganz.
Gestern war ich in Düsseldorf beim Konzert der Tindersticks, die ja auch sehr melancholisch daher kommen - aber die haben einfach die besseren Melodien und natürlich in Stuart Staples einen begnadeten Sänger und Performer. Aber da hat der noch recht junge Konstantin Gropper schließlich noch viel Zeit, um zu reifen ...
(01.03.2010)

Konzerthighlight: Rock im Saal, Haldern, 27.02.2010

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Musée Mécanique: "Hold This Ghost" (Souterrain Transmissions, Jan. 2010/2008)
Die Entdeckungsreise nach Portland geht auch mit dieser Veröffentlichung aus dem Hause Souterrain Transmissions weiter. Vergleiche in der Presse bemühen gerne den Einsatz der vielen mehr oder weniger exotischen oder "historischen" Instrumente- von der singenden Säge bis zum Uraltanalogsynthie. Aber eigentlich handelt es sich bei Musée Mécanique doch auch nur um zwei singende und songschreibende Burschen mit ihren Gitarren, deren Musik für meinen Geschmack gut zu Leuten wie J. Tillman und William Fitzsimmons passt, auch wenn Micah Rabwin und Sean Ogilvie ihr musikalisches Grundgerüst aus Gesang und Gitarren lieber mit mechanischen und nicht mit digitalen Zutaten vom Laptop anreichern. Beide begleiten übrigenz nebenher sowohl live als auch im Studio des Öfteren Labelkollegin Laura Gibson. Alleine dafür muss man sie mögen.
Natürlich ist gibt's auch bei dieser fünften LP des Labels die MP3s gratis dabei. Vielleicht ist es auch erst die dritte Veröffentlichung, denn sie trägt zwar die Nummer SOU005LP, mir sind aber nur die beiden anderen Alben von Laura Gibson (SOU001LP) und Ramona Falls (SOU002LP) bekannt. Es heisst also: weiter aufmerksam sein.
(12.02.2010)
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Tindersticks: "Falling Down A Mountain" (4AD, Jan. 2010)
Stuart Staples mit seiner wunderbaren Band Tindersticks jetzt auf dem 4AD-Label - das macht natürlich Sinn! Was soll man zu dieser Band noch viel sagen, die seit den früher 90ern ein paar grosse Alben (vor allem die titellosen ersten beiden von 1993 bzw. 1995) und viele mittelprächtige gemacht, auch wenn ich als Hörer nicht immer am Ball war? "Falling Down The Mountain" hat mich nun neben den - wie immer - guten Kritiken aus folgenden Gründen zum zeitnahen Erwerb bewogen: die göttliche Mary Margaret O'Hara hat beim witzigen (!) "Peanuts" einen ihren leider äußerst seltenen Gesangsaufritte im Duett mit Staples. Zum Kauf der CD hätte das zwar alleine schon gereicht, aber als ich mir sicher war, dass bei der Vinylausgabe ein Downloadgutschein dabeisein würde, war die Sache natürlich geritzt!
Ist das Album jetzt so gut wie die grandiosen ersten beiden? Ich habe keine Ahnung nach dem ersten Hören - auf jeden ist es noch besser als das schon ziemlich gute Comebackalbum "The Hungry Saw" von 2008!
Ach ja - der irische Singer/Songwriter David Kitt gehört jetzt als Gitarrist und zweite Gesangstimme fest zur Band.
(28.02.2010)

Konzerthighlight: Düsseldorf, ZAKK, 28.02.2010

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Johnny Cash: "American VI: Ain't No Grave" (American, Feb. 2010)
Posthum veröffentlichten Alben haftet oft ein fader Beigeschmack an: von der zarten Frage "Hätte der Künstler zu Lebzeiten die Veröffentlichung dieser Musik gewollt?" bis hin zu Sprüchen wie "Resteverwertung" oder gar "Leichenfledderei". Auf die sechste Folge von Johnny Cashs American Recordings trifft das aber definitiv nicht zu. Es wäre sogar sehr schade, wenn uns Rick Rubin diese definitiv allerletzten (?) Aufnahmen eines der wichtigsten Sängers des letzten Jahrhunderts weiter vorenthalten hätte. Unpeinlich. Ergreifend. Wunderschön. Selbst das abschliessende "Oloha Ohe" kann nicht wirklich schocken.
(01.04.2010)
Midlake: "The Courage Of Others" (Bella Union, Feb. 2010)

Drei und ein halbes Jahr gelten in der Popmusik, abgesehen vielleicht von Scott Walker, Axl Rose und Sade, als eine kleine Ewigkeit. Solange hat es gedauert, bis die Band aus Texas einen Nachfolger zu "The Trials Of Van Occupanther" veröffentlicht hat. Während jenes Album bei mir aus heute kaum noch nachzuvollziehbaren Gründen damals wenig Eindruck hinterlassen hatte (da muss ich wohl noch einmal nachsitzen!), war ich jetzt aber direkt dabei: die aktuellen Besprechungen von "The Courage Of Others" erwähnen die Vorliebe der Band für britischen Folkrock der frühen 70er (Fairport Convention, Pentangle, ...), weshalb ich besonders neugierig war. Zwar würde ich die Musik von Midlake nicht unbedingt als "Folkrock" bezeichnen - ich kann keine Verweise auf die britische Folk-Tradition heraushören - aber es klingt für meine Ohren trotzdem sehr schön. Es fällt dabei der Einsatz der Querflöte in fast jedem Lied auf, während der Einsatz von Tasteninstrumenten reduziert wurde. Man könnte vielleicht eher Jethro Tull als Vergleich anführen, aber da kenne ich mich kaum aus, denn Ian Anderson fand ich immer ein wenig anstrengend, während Midlakes Tim Smith interessante Songs schreibt und seine Flöte auch eher als Klangfarbe, denn als Soloinstrument einsetzt. Einziger Schwachpunkt nach dem ersten Hören: mir sind die Lieder melodisch etwas zu ähnlich geraten, sodass ich sie kaum auseinander halten kann. Da hätte ich gerne etwas mehr Abwechselung gehabt. Vielleicht muss ich da aber nur etwas öfter und konzentrierter zuhören. Ausserdem singen viele meiner Helden immer die gleiche Melodie und tun gut daran: Johnny Cash, Van Morrison, Bob Dylan, Robert Forster: die Liste ist lang.
(22.02.2010)

Ich habe "The Trials Of Van Occupanther" von 2006 wie versprochen noch einmal herausgekramt und kann jetzt alle beruhigen: ebenfalls ein tolles Album!
(14.03.2010)

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Allison Moorer: "Crows" (Rykodiscs, Feb. 2010)
Auch Shelby Lynne's kleine Schwester ist inzwischen eine der ganzen großen in der Singer/Songwriter-Zunft. Für dieses Album ist sie wieder zurückgekehrt aus New York nach Nashville und hat sich statt von ihrem Ehemann Steve Earle wieder von ihrem alten Weggefährten und Trommler R.S. Field produzieren lassen, der diesen Job bereits auf dem 2004er-Alben "The Duel" und der Konzert-DVD "Show" gut machte.
Der Mann vom Glitterhaus hält "Crows" sogar für "das bessere Shelby-Album", aber so weit möchte ich mich nicht aus dem Fenster hängen. Das ist aber auch egal, denn beide Ladies spielen in der ersten Liga und Vergleiche sind deshalb überflüssig und unnötig.
(26.02.2010)
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Joanna Newsom: "Have One On Me" (Drag City, Feb. 2010)

Ich sammle schon ziemlich lange Schallplatten, aber "Have One On Me" ist doch tatsächlich mein erstes Dreifachalbum, bei dem es sich nicht um ein Livealbum oder um einen Sampler handelt! Zu verantworten hat das Monumentalwerk eine noch recht junge und sehr aparte Harfenspielerin aus den nördlichen Kalifornien. Zwar hätte ich mir auch die 3-CD-Version zulegen können, aber: wenn schon ... denn schon ...
Heute kam die Platte per Post in einem riesigen Karton, denn sie hätte nicht in eine normale LP-Verpackungen gepasst. Erinnert irgendwie an Boxen mit Klassischer Musik aus der Weihnachtszeit. Auch das Covermotiv wirkt völlig übertrieben, ist aber doch irgendwie passend. Insgesamt wirkt das alles sehr dekadent, doch jetzt bin ich sehr gespann auf die Musik ...

3 x 6 Lieder, 3 x 40 Minuten Musik: die müssen erst einmal verdaut werden.

  • P.S.: auch Tripelalbum der ersten beiden Kategorien sind nur wenige in meinem Plattenschrank zu finden. Da fallen mir gerade mal Neil Youngs wunderbare "Decade"-Kompilation, der "Last Waltz" von The Band und "Europe 72" von meinen Helden, den Grateful Dead ein. Berühmt sind natürlich auch die "Yessongs", aber Yes sind eigentlich nicht meine Baustelle, auch wenn ich sie mir trotzdem vor wenigen Jahren als günstige Doppel-CD gekauft habe. Was gibt's da sonst noch? Natürlich "All Things Must Pass" von George Harrison, ein tolles 3fach-Werk, aber da bin ich erst vor kurzem bei der Wiederveröffentlichung als Doppel-CD auf den Geschmack gekommen. Damals musste die Single "My Sweet Lord" reichen.
    (11.03.2010)
  • So - die über 120 Minuten Harfenmusik sind durchgehört. Aber was soll ich jetzt sagen? Ein Meisterwerk? Keine Ahnung. Eher nicht. Vor allem nicht nur deshalb meisterlich, weil es ein Drillingsalbum ist. Man sollte mit diesem Etikett auch etwas sparsamer umgehen. Ein bisschen zu lang geraten? ja, natürlich! Hätte frau etwas weglassen können oder dürfen? Auf keinen Fall! Ein zwar schwer verdaulicher, aber dennoch leckerer Brocken (eigentlich ja drei Brocken!), von dem man und frau als Hörer noch lange etwas hat!
    (14.03.2010)

    Als Dreifach-Studioalbum fällt mir übrigenz noch "Sandinista" von The Clash ein, das mir aber im Moment noch zu viel des Guten ist. Auf jeden Fall weiß ich inzwischen deren Doppelalbum "London Calling" zu schätzen.
    (21.03.2010)

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    Kathryn Williams: "The Quickening" (One Little Indian/Caw, Feb. 2010)
    Eine neue Platte der englischen Folksängerin - immer gerne gehört. "The Quickening" wurde im letzten Jahr in wenigen Tagen live im Studio von einer vorzüglichen Band eingespielt: wieder mit Neill MacColl, ihrem Duettpartner vom Album "Two", aber auch mit dem mir bislang unbekannten Studiogitarristen Leo Abrahams und dem vorzüglichen Vibraphonspieler Anthony Kerr (die Atmosphäre ist also ein klein wenig wie bei Tim Buckley!). Produziert von Kate St. John, einer der bekanntesten Oboenspielerinnen Englands, die aber auch schon mal bei Van Morrison zum Saxofon greift und hier für Klavier und Akkordeon zuständig ist.
    Trotz des "Live-charakters" scheint das hier Kathryns bisher aufwändigste Produktion zu sein (ich kenne leider nicht aller ihre Platten!), was dem intimen Charakter ihrer Musik aber überhaupt nicht schadet. Vor allem der Gesang bezaubert wie immer.
    (07.05.2010)
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    Jack Gilbert: "Till We Have Faces" (Churchhill, März 2010)

    Vor ein paar Tagen bekam ich überraschende Post aus der Schweiz:

    "Ciao Michael,
    Ich hab so viele gute Tipps auf Deiner Webseite erhalten, sodass ich Dir als kleines Dankeschön meine Debut-CD sende
    J.G."

    Ich habe mich natürlich sehr gefreut, denn ich bekomme selten solche Geschenke, aber wie der Mensch so ist: sofort kommen die dämlichsten Hintergedanken: was will der von mir? Niemand ist einfach nur selbstlos nett! Macht Jack hier schnöde Promotionarbeit?
    Beim Hören merke ich aber: das ist eine sehr schöne Platte. "Mainstream"-Rock der guten Art. Wenn man meine eigene Musik mit W4L oder die meines STTS-Kollegen Mathias Schüller als "Americana vom Niederrhein" bezeichnet, was ich persönlich eher irritierend als hilfreich finde, dann kann man das hier vielleicht "schweizer Americana" nennen. Aber auch das klingt bekloppt, weshalb ich lieber von guter, alter in den 70ern verwurzelter Singer/Songwriter-Rockmusik sprechen möchte, auch wenn das schon wieder ein wenig hilfreiches Wortungetüm ist. Aber was soll man auch antworten, wenn man gefragt wird: "Was machst du eigentlich für Musik?" Ich druckse dann meistens herum und antworte oft: "Folkrock", aber eigentlich meistens einfach: "Rockmusik". Oder eben "Mainstream der guten Art".
    Die Frage, ob ich etwas über "Till We Have Faces " schreiben soll, hat sich also bereits erledigt. Ich schreibe weiterhin nur über Platten, zu denen ich eine persönliche Beziehung habe. Jetzt bleibt nur eines offen: Ohne den Poststempel hätte ich nicht gemerkt, dass diese Musik aus der Schweiz kommt. Soll das ein Geheimnis bleiben? Dafür gibt es doch überhaupt keinen Grund ...
    (05.04.2010)

  • Hier könnt Ihr selber hren und bestellen: www.jackgilbert.tv
  • Bonnie 'Prince' Billy & The Cairo Gang: "The Wonder Show Of The World" (Domino/Drag City, März 2010)
    Will Oldham ist unglaublich produktiv. Jedes Jahr erscheinen mehrere Alben - eigentlich zu viele für mich, sodass ich inzwischen den Überblick verloren habe. Bei der "Wonder Show" habe ich mich aber wieder mal zur Anschaffung entschlossen und bin jetzt sehr angetan von der Musik. Hier stimmt alles: gute Songs (mit Texten von Will Oldham und Musik anscheinend komponiert von seinem Begleiter Emmett Kelly), gute instrumentale Umsetzung (schlichte Arrangements mit viel A- und ein wenig E-Gitarre von Kelly, dazu Bass und Perkussion von Azita Youssefi), stark verbesserter Gesang (Oldham singt um Klassen besser als noch zu Zeiten der Palace Brothers, obwohl ich auch das damals durchaus gemocht habe). Die LP hat zwar keinen MP3-Coupon, kommt mit einer 7"-Single daher: auch eine schöne Überraschung!
    (11.04.2010)
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    Graham Parker: "Imaginary Television" (Bloodshot, März 2010)
    Alte Männer in Höchstform, die einen Scheiß auf das aktuelle Poptreiben geben. Mag ich sehr, so was. Ok - das Cover ist vielleicht ein Kandidat für meine Galerie der Scheußlichkeiten ("Ugly Cover"), aber die Musik ist - eigentlich wie immer in den letzten Jahren bei Mr. Parker - richtig gut. Abgehangen, unspektakulär, aber eben auch sehr gut. Demnächst vielleicht noch ein paar tiefere Eindrücke vom Album.
    (04.05.2010)
    Angus & Julia Stone: "Down The Way" (Capitol, März 2010)
    Vor etwa drei Jahren erschien "A Book Like This", das wunderbare Debütalbum des australischen Geschwisterpärchens. Auf den Nachfolger musste man jetzt fast drei Jahre warten, aber es hat sich gelohnt. Unspektakulärer, aber wunderschöner Folkrock, durchaus ähnlich dem der Magic Numbers (da sind ja auch Geschwister am Werk!), wenn auch mit etwas weniger Rock.
    Die Vinylausgabe ist zwar ohne Downloadgutschein, aber mit drei weiteren Liedern: also ergibt das ein richtig prächtiges Doppelalbum ...
    (01.11.2010)
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    Tunng: "... And Then We Saw Land" (Full Time Hobby, März 2010)

    Ein Sextett aus London, das ziemlich originell Folkgitarren und -gesänge mit modernen handgespielten und elektronischen Rhythmen mischt, entdeckt durch Zufall bei Youtube.
    Die Platte mit dem schönen Cover hatte ich bereits im März bestellt und kam gestern endlich mit der Post. Witzigerweise genau an dem Tag, für den ich auch ein Konzertticket hatte. Live war die Truppe sogar noch überzeugender als auf Tonträger: Während auf der Platte einmal diese schrecklichen Simmonds-Elektro-Drums zu hören sind ("The Roadside") und dort aber nicht ganz so schrecklich wirken, wie ich diese Geschmacksverirrung der 80er in Erinnerung hatte, kamen live vor allem die beiden Trommler der Band zur Geltung, die aus dem erwarteten "Folkloreabend" ein richtig kraftvolles Rockkonzert gemacht haben!
    (26.04.2010)

    Mir ist gerade aufgefallen, dass mir die Band doch schon einmal untergekommen ist: und zwar auf dem wunderbaren Tributalbum "Dream Brothers: The Songs Of Tim + Jeff Buckley", erschienen 2005 ebenfalls bei Full Time Hobby. Ich hatte auch irgendwie so eine Ahnung, dass ich sowohl von Band als auch von Label schon mal gehört hatte. Nebenbei bemerkt: ein toller Name für ein Indielabel!
    (18.05.2010)

    Konzerthighlight: Gebäude 9, Köln, 22. April 2010

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    Susan Cowsill: "Lighthouse" (Blue Rose, April 2010)

    Das zweite Soloalbum von Susan Cowsill, die in den 6oern als kleines Mädchen mit der Mama und den Brüdern bei den Cowsills sang, so etwas wie die "Partridge Family in echt". Das war aber vor meiner Zeit und auch nicht nach meinem Geschmack. Kennengelernt hatte ich sie bei den leider aufgelösten und fast vergessenen Continental Drifters, bei denen sie zusammen mit Bangle Vikki Petersen - inzwischen ihre Schwägerin, weil mit einem der Brüder verheiratet - und Ex-dB Peter Holsapple spielte, der damals ihr Freund (Ehemann?) war. Inzwischen ist sie mit Russ Broussard, dem letzten Trommler der Continental Drifters verheiratet und knüpft mit ihm auf "Lighthouse" nahtlos an die alte Band an.

    Schluß mit diesem Gesellschaftstratsch und zurück zur Musik, die sicherlich nicht sonderlich innovativ oder spektakulär ist, aber doch eine gelungene Version von etwas ist, das man vor wenigen Jahren noch ungestraft "Americana" nennen durfte. "Lighthouse" kann man weitestgehend als Bandalbum bezeichnen, denn auf den meisten Titeln sind die gleichen, mir zwar unbekannten Musiker zu hören, die höchstwahrscheinlich zur Liveband gehören. Einen Gastauftritt hat Jackson Browne als Duettpartner, bei einem Lied sind drei Cowsill-Brüder und Schwägerin Vikki im Chor zu hören. Einen weiteren schönen Nebeneffekt hat das Album auch noch: ich hatte die wunderbaren Continental Drifters fast vergessen und muss da unbedingt mal wieder in die alten Platten reinhören!
    (27.06.2010)

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    Dirtmusic: "BKO" (Glitterhouse, April 2010)
    Chris Eckman (Walkabouts, Chris & Carla), Hugo Race (The Wreckery, Nick Cave) und Chris Brokaw (Come, Saint Vitus) waren im Januar des letzten Jahres zusammen mit der Turareg-Band Tamikrest im Studio in Bamako/Mali. Das Ergebnis gibt es jetzt als Vinyl-Doppelalbum mit CD und DVD. Da kann man ruhig mal ein paar Oiro mehr ausgeben - und wird natürlich nicht enttäuscht!
    (07.05.2010)
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    John Grant: "Queen Of Denmark" (Bella Union, April 2010)

    Das Solodebüt des Ex-Sängers der verblichenen Czars, veröffentlich bei Bella Union, einem meinem momentanen Lieblinxlabel, aufgenommen mit den famosen Midlake als Begleitband. Was will man da mehr? Vielleicht: hin zum Konzert nach Köln?
    (31.05.2010)

    Das Studio 672 ist eigentlich ein kleiner Keller unter dem Kölner Stadtgarten, der mich entfernt an den Messdiener-Partykeller unter der St. Elizabeth-Kirche in Friedrichsfeld erinnert, in dem ich 1976 mit Pakgao Rog meinen ersten öffentlichen Auftritt ausserhalb unserer Schule hatte. Um 20:30, zum offiziellen Beginn, saß ich dort mit etwa 5 bis 8 Leuten, währen oben im Stadgarten der Bär steppte beim WM-Spiel der Brasilianer gegen die Aliens aus Nordkorea. Es war das Schlimmste zu befürchten für das Konzert, aber nach der Vorgruppe, einem deutschen Duo, dessen Namen ich nicht erfuhr, da die beiden zwar schön spielten, sich aber nicht vorgestellt haben, waren zum Beginn der Auftritts von John Grant um 21:30 doch noch ca. 50 bis 80 Leute da, wofür sich John in perfektem Deutsch bedankte, das er vor 15 Jahren als Student in unserem ziemlich schönen Land gelernt hatte. Das Konzert? Toll! Es kam deutlich heraus, das das neue Album voller Hits steckt und schleunigst auf meinen Merkzettel für das Album des Jahres gehört. Ausserdem hat sich bestätigt, dass er einer der aktuell besten Gesangstimmen in der Sparte "Alternative-Singer-Songwriter" hat bzw. ist.
    (16.06.2010)

    Konzerthighlight: Köln, Studio 672, 15.06.2010

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    Great Lake Swimmers: ""The Legion Sessions" (Nettwerk, April 2010)
    Sinn & Zweck dieses Albums sind mir zwar nicht so ganz klar, denn in knapp über 30 Minuten wurden für diese äußerst günstigen EP 9 Lieder vom letztjährigen Album "Lost Channels" live und akustisch im Studio neu eingespielt. "Unplugged" kann man aber auch nicht sagen, denn der Stecker war bei dieser kanadischen Band um den Singer/Songwriter Tom Dekker ja nie wirklich eingestöpselt. Wegen des kleinen Preises (unter 7 Oiros!) soll das jetzt auch mal nicht weiter hinterfragt werden. Vielleicht gibt es ja ein Video von der Session? Die auf dem Cover zu erkennende Location macht da irgendwie neugierig.
    (27.06.2010)
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    Sharon Jones & The Dap-Kings: "I Learned The Hard Way" (Daptone, April 2010)
    Sharon und ihre Junx spielen Soul. Diese Musik ist gleichzeitig sehr altmodisch und sehr modern. Sagen wir also besser: zeitlos & gut. Und überhaupt nicht "retro".
    Wichtig für den Vinylfreund: die Schallplatte ist nicht teurer als die CD (ansonsten ist das inzwischen ja schon der Standard!) und kommt sogar mit MP3-Download-Gutschein daher. Yeah!
    (15.04.2010)
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    Shelby Lynne: "Tears, Lies, And Alibis" (Everso, April 2010)

    Von Shelby Lynne bin ich als Künstlerin sehr überzeugt. So sehr, dass ich mir das neue Album, ihr erstes auf dem eigenen Label und angeblich "erstmalig unter völliger künstlerischer Kontrolle" entstanden, ungehört gekauft habe. Gestern kam's zusammen mit der Tunng-LP mit der Post. Am Abend, auf dem Weg nach Köln zum Tunng-Auftritt, habe ich es zweimal durchgehört und war ein wenig ratlos, weil es mich emotional überhaupt nicht angesprochen hatte. Ratlos und distanziert - so, wie der Blick von Shelby auf dem Coverfoto. Während ich ja ansonsten "unterproduzierte" Alben sehr zu schätzen weiss, so stört es mich hier der fehlende "Pop" doch irgendwie. Oder sind es die Songs, die mich (noch) nicht packen? Ich bin wohl besser vorsichtig und werde mit meinen weisen Worten etwas warten. Schließlich hatte mir ja auch das Album "Suit Yourself" von 2005 zuerst nur mäßig gefallen, bis es sich dann doch noch zu einem meiner Jahresfavoriten gemausert hatte ...
    (23.04.2010)

    Eine Erkenntnis ist deutlich: "Tears, Lies, And Alibis" ist keine Autofahrmusik. Aber zu hause in Ruhe gehört wirkt das Album jetzt schon deutlich besser. Zwar konnte ich immer noch keinen wirklichen Ohrwurm unter den Liedern entdecken, aber die Ratlosigkeit hat sich mehr oder weniger in Wohlklang aufgelöst. Also schau'n wir mal: vielleicht ist es ja auch so ein "Spätentwickler"?
    (26.04.2010)

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    Temple Of L.I.B.: "My Name Is Magic" (September Gurls, April 2010)
    Manchmal hat das Entdecken einer einzelnen Platte bei mir einen großen Einfluss auf den weiteren musikalischen "Entdecker"-Weg. Das war zum Beispiel so, als ich 1973 Hawkwind über das famose Livealbum "Space Ritual" kennenlernte oder ich damals von meinen Kumpels "To Our Children's Children's Children" (Moody Blues) zum Geburtstag bekam. So geschah es auch Anfang diesen Jahres, als ich mich für Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra zu interessieren begann, eigentlich ja nur weil deren Album "Kollaps Tradixionales" als 10"-Zoll-Doppelvinyl mit Bonus-CD herauskam. Auch die Anschaffung der LP "The Serpent Unrolled" des fränkischen Folkduos Fit & Limo gehört in diese Kategorie, obwohl ich Limo ja schon lange als Sänger und Gitarrist der Shiny Gnomes kannte.
    Von Fit & Limo bin ich Dank des Internets schnell auf St. Stephen gekommen, Limos Projekt vom vergangenen Jahr.
    Wie es der Zufall (?) so will, hat er gerade ein neues Werk unter dem Pseudonym "Temple Of L.I.B." (was auch immer das heißen mag!) veröffentlich, das nicht nur wieder beim Nürnberger Psychedelic-Label September Gurls herauskam, sondern musikalisch stark an die Fit & Limo-Alben erinnert: Hippiefolk mit viel A- und ein wenig E-Gitarre, Bongos, Sitar, etc. - nur eben ohne Mrs Fit.
    (20.06.2010)
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    The Wave Pictures: "Susan Rode The Cyclone" (Little Teddy, April 2010)
    Diese Schallplatte (es gibt scheinbar keine CD-Version!) ist schon ein bisschen älter, aber ich habe die Band erst kürzlich durch Zufall für mich entdeckt: ein englischen Gitarre/Bass/Schlagzeug-Trio in der Tradition der Violent Femmes und der Go-Betweens, bei deren hoher Messlatte die Band durchaus mithalten kann!
    Die Band besteht wohl schon seit mehr als 15 Jahren und hat scheinbar auch schon genauso viele Platten veröffentlicht: da gibt es wohl noch viel zu entdecken. Ach ja - dieses Album ist für einen relativ günstigen Preis bei JPC zu bekommen.
    (11.09.2016)
    Horse Feathers: "Thistled Spring" (Kill Rock Stars, Mai 2010)
    ... und noch mehr von diesem "nervendem Folkrockzeug" für "sensible Weicheier" wie mich! Hinter den Horse Feathers steckt der Singer/Songwriter/Gitarrist Justin Ringle, der sich von einem Geiger, einer Cellistin und einem Banjospieler begleiten lässt. Sicherlich etwas streicherlastiger als andere Platten aus diesem Genre, aber eben auch wunderschön. Das Vinyl gab es mit einem MP3-Gutschein. Da bin ich dann ja schnell dabei, wie ihr sicherlich schon wisst!
    (25.10.2010)
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    Juta: "Running Through Hoops" (Arctic Rodeo Recordings, Mai 2010)
    Und noch einmal Kanada! Die Sängerin Barbara Adly wird von einer italienischen Band um den Gitarristen Pierluigi Aielli begleitet. Allerdings wurde in Kanada aufgenommen bei Howard Bilerman. Singer/Songwriter-Folkpop mit analogem Feinklang. Sehr schön auch, dass es die Vinylausgabe, inklusive CD, zu einem überschaubarem Preis gab. Das hat sich wirklich gelohnt.
    (11.01.2010)
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    Jim Lauderdale: "Patchwork River" (Thirty Tigers, Mai 2010)
    Nach "Headed For The Hills" (2004) ist dies hier bereits die zweite Kooperation mit Grateful Dead-Texter Robert Hunter über Albumlänge. Die Kombination Indianer & Telecaster auf dem Cover hatten wir ansonsten schon mal bei Eddie Clearwater.
    Die Musik? Wieder etwas mehr "Rock" und weniger "Honky Tonk", was mir (momentan) eher entgegenkommt. Die Band ist (wie immer bei Jim Lauderdale) vom Feinsten: u.a. sind Trommler Chad Cromwell (Neil Young), Telecastergott James Burton (Elvis P., Elvis C., Gram & Emmylou), Steelgitarrist Al Perkins (Manassas, Emmylou), Trommler Ron Tutt (Elvis P., Elvis C., Jerry Garcia, Emmylou), Bassist Gary Tallent (Bruce Springsteen) und Sängerin/Songschreiberin Patti Griffin dabei.
    Gute Zutaten und gute Zubereitung garantieren hie eine äußerst schmackhafte Mahlzeit!
    (31.07.2010)
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    Tift Merritt: "See You On The Moon" (Universal/Fantasy, Mai 2010)
    Schon seit einigen Jahren bringt Tift Merritt mehr oder weniger regelmäßig gute Alben heraus. Das Debüt "Bramble Rose" von 2002 fand ich besonders schön, danach hatte ich sie ein wenig aus den Augen verloren. Jetzt haben mich zwei Dinge zurückgebracht: zum einen das schlichte und doch so wunderschöne Cover. Zum anderen der Name des Produzenten, Tucker Martine, der auf diesen Seiten für seine Arbeiten mit Laura Veirs, Laura Gibson, Tara Jane O´Neil, Ramona Falls und Musée Méchanique ja schon mehrfach gewürdigt wurde. Aus der - nicht unbedingt offensichtlichen - Kombination der Talente von Tucker und Tift entstand vielleicht das beste Album von Tift Merritt. Auf jeden Fall das beste seit dem Debüt "Bramble Rose".
    (27.06.2010)
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    Nada Surf: "If I Had A Hi-Fi" (Mardev, Mai 2010)
    NadaSurf ist ein Gitarrentrio aus New York, da man irgendwo zwischen Indie-Rock und Pop einordnen kann, wenn man denn so möchte. Kennengelernt hatte ich die Band vor einigen Jahren beim Halderner Open Air und ein paar Jahre später auch das schöne Album "Let´s Go" in der Grabbelkiste gefunden. Danach habe ich sie aber wieder aus den Augen & Ohren verloren, bis ich jetzt trotz mittelmäßiger Kritiken in einer Musikzeitschrift über "If I had A Hi-F-" gestolpert bin, ein Album nur mit Coversongs. Da ich das letztjährige Coveralbum der Lemonheads aber eher langweilig fand wollte ich eigentlich schon weiterblättern, wenn mich da nicht zwei Lieder doch noch zum Kauf überredet hätten: "Love Goes On" stammt vom 1988er Album "16 Lovers Lane" der Go-Betweens, die zu meinen allergrößten Lieblingen gehören und (noch) viel zu selten durch eine Coverversion gewürdigt werden. Dazu "Question" vom 1970er-Album "A Question Of Balance" der Moody Blues, die sicherlich als Band aus heutiger Sicht nicht besonders cool rüberkommen, damals aber zu meinen absoluten Favoriten gehörten. Ausserdem ist "Question" ein wirklich tolles Lied, das von Nada Surf keineswegs verhunzt wird, wie der Kritiker von motor.de behauptet. Auch die Lieder von Bands oder Künstlern, die mich gar nicht oder wenig interessieren sind gut (z.B. Depeche Mode und Kate Bush), dazu kommen ein paar Vorlagen, von denen ich noch nie was gehört hatte. Insgesamt ein schönes, wenn auch eher unbedeutendes Album, das aber auch überhaupt nicht so tut, als wäre es etwas anderes. Musik von Fans für Fans, was ja auch das Motto bei Waiting For Louise war und bei Songs To The Siren immer noch ist.
    (10.06.2010)
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    Tracey Thorn: "Love And Its Opposite" (Strange Feeling, Mai 2010)
    Britische Pop-Duos aus den 80ern, die mir WIRKLICH gefallen? Da fällt mir ausser Everything But The Girl nicht viel ein (OK - bei längerem Nachdenken fallen mir noch die weit weniger erfolgreichen Eyeless In Gaza und die Cleaners From Venus ein). Gekauft hatte ich mir das dritte Album der ehemaligen Sängerin von EBTG vor ein paar Wochen auf Vinyl in erster Linie wegen des wunderschönen Klappcovers: ich dachte schon, so etwas gibt's gar nicht mehr! Heute wollte ich die Platte endlich auflegen, als mir auch hier ganz beim Auspacken ein MP3-Download-Gutschein entgegenflatterte. Eine nette Überraschung am Sonntagmorgen.
    Bei "Love And Its Opposite" handelt es sich um eine gelungen Mischung aus akustisch-analog-elektrischem Singer/Songwriter-Pop mit gelegentlichen modernen Einsprengseln, aber alles ohne das in den 80ern bei EBTG noch vorhandene (und erfolgreichen!) Schielen auf die Popcharts.
    Die beiden Plattenlabels von Tracey Thorn und Ex-EBTG-Partner und jetzt Ehemann Ben Watt heissen Strange Feeling und Buzzin' Fly. Da sind offensichtlich Tim Buckley-Fans am Werke.
    (28.11.2010)
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    Crowded House: "Intriguer" (Universal, Juni 2010)
    Crowded House gehören zu den wenigen "Altstars", deren neue Alben ich mir auch im Hier & Jetzt noch ungehört kaufen würde - und es auch diesesmal wieder getan habe. Wie immer wurde ich nicht enttäuscht.
    Der erste Höreindruck: eine gute, altmodisch analoge Produktion mit einem perfekten Klang, der mir sofort gefällt. "Hits" sind nicht sofort zu erkennen, aber ich bin sicher, dass das Alben bei jedem Hördurchgang "wachsen" wird. Deshalb später vielleicht mehr ...
    (05.07.2010)
    GuruManiAx: "Psy Valley Hill" (bureau b., Juni 2010)

    Die Wiedergeburt des klassischen Guru Guru Sounds der frühen 70er (vom 1970er-Debüt "UFO", meinem Favoriten "Hinten" von 1971 oder vom wunderbaren "Känguru" von 1972) haben wir diesem Projekt der beiden Ur-Gurus MANI Neumeier und AX Genrich zu verdanken. Bassist Uli Trepte hatte die Band vor dem titellosen 4. Album verlassen, Gitarrist Ax Genrich war zum letzten mal bei Nachfolger "Don´t Call Us We Call You" dabei. Schlagzeuger Mani Neumeier hält die Band bis zum heutigen Tag zusammen, aber der klassische Sound der Band war doch sehr stark von Genrichs Gitarre bestimmt. Dieser jammt zwar noch gelegentlich mit seinem alten Kollegen Neumeier, aber der Tod von Uli Trepte vor einigen Jahren muss die beiden doch wohl davon überzeugt haben, es noch einmal ernsthaft miteinander zu versuchen. Am Bass werden sie von dem mir bislang unbekannten Belgier (!) Guy Segers unterstützt. Und schön ist es, wenn das dann zu solch einem gelungenen Resultat führt, statt einfach nur nostalgisch zu sein!
    (12.07.2010)

    Vielleicht doch noch eine klitzekleine kritische Bemerkung: Während die Musik von GuruManiAx auf höchstem Niveau ist, fallen künstlerische Qualität der Covergestaltung zusammen mit dem Titel der CD deutlich ab. Was bedeutet "Psy Valley Hill" - ausser dass einer der instrumentalen Songs bereits so heisst? Fängt sich hier eine neue Tradition an: "geniale Musiker schlampen bei der optischen und textlichen Präsentation ihrer Werke". Schliesslich heisst das letzte Guru Guru-Album von 2008 ja auch schon "Psy" und hat ebenfalls kein besonders schönes Cover. Da lobe ich mir doch im Moment die Arbeiten von Stefan Lienemann und seinen zahlreichen Projekten (Shiny Gnomes, Fit & Limo, Temple Of L.I.B., St. Stephen) oder alle Veröffentlichungen vom kanadischen Constellation-Label, wo Verpackung und Inhalt auf allerhöchstem Niveau sind.
    (15.07.2010)

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    Hawkwind: "Blood Of The Earth" (Eastworld, Juni 2010)

    Hawkwind haben sich immer gerne selber zitiert, ohne dabei allzusehr peinlich zu sein: auf "Blood Of The Earth", dem ersten Album seit ca. 5 Jahren und dem gefühlten 76. Album insgesamt (wenn man halb-, viertel- und illegale Alben mal versucht, mitzurechnen) wird mit "You'd Better Believe It" sogar eine alte Nummer vom 1974er Album "Hall Of The Mountain Grill" recycled - nicht schlechter als vor 35 Jahren, aber auch nicht unbedingt besser. Auserdem wird auch beim Cover heftig zitiert: der Schriftzug und Grafik auf dem Segel des Bootes auf der Frontseite stammen genauso wie die silbrigen Statuen vom 1972er-Album "Doremi Fasol Latido", während das Raumschiff auf der Rückseite stark dem vom Album "Hall Of The Mountain Grill" ähnelt.

    Einziges Urmitglied der Band ist natürlich der Gitarrist Dave Brock, dem aber Schlagzeuger Richard Chadwick immerhin schon ca. 20 Jahre zur Seite steht (mindestens seit dem 1990er Album "Space Bandits"). Keyboarder Tim Blake war immer mal wieder in der Band und wieder weg, während am Bass ein gewisser Mr. Dibs neu dabei ist. Seit längerem gibt es mit Niall Hone sogar einen zweiten Gitarrenspieler neben bzw. vor Captain Brock. Da Hawkwind in den letzten Jahren oft als Trio zu hören waren, bei dem gelegentliche Keyboardeinlagen von allen Beteiligten kamen und Captain Brock sich selber nur selten mit einem Gitarrensolo hervorgetan hatte, läßt sich also über den neuen Hawkwindsound sagen: im Prinzip so wie immer (das ist gut so!), aber mit etwas mehr Gitarre und ausgereiften Keyboardklängen (auch kein Nachteil!).

    Trotz aller Kritik ist das kein schlechtes Album, denn welche Band kann schon von sich sagen, nach 40 Jahren im Geschäft immer noch kreativ zu sein? Ist das Album so gut wie die Klassiker? Sicherlich nicht - aber das war eigentlich auch nicht zu erwarten. Ist es das beste Album seit X Jahren? Das kann ich leider nicht beurteilen, weil ich mich im Spätwerk der Band nicht so gut auskenne wie im Frühwerk - aber eigentlich ist mir das auch ziemlich egal.
    (25.07.2010)

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    Teenage Fanclub: "Shadows" (PeMa, Juni 2010)
    Diese schottische Gitarrenband gibt es schon über 20 Jahre - eine gefühlte Ewigkeit. Mit "Bandwagoneque" von 1992 standen sie zu Grungezeiten mal vor dem großen Durchbruch, der aber nie erfolgte. Nach Zeiten bei großen Plattenfirmen (Geffen in den USA und Sony in Europa) kochen sie inzwischen auf eigenem Minilabel ihr eigenes kleines Süppchen. Meine letzte Anschaffung war "Songs From Northern Britain" von 1997, danach hatte ich die Band aus den Augen verloren.
    Warum ich mir jetzt das neue Album gekauft habe, das weiss ich auch nicht so genau: ich hielt im Laden die Platte in der Hand und konnte sie noch nicht mal anhören, weil die CD-Version gerade nicht vorrätig war und Platten nicht angespielt werden. Und obwohl das Cover nicht besonders schön ist hatte ich trotzdem ein gutes Gefühl und habe die Vinylausgabe schliesslich ungehört eingepackt.
    Gerade lief die Platte zu Hause bei mir und ich bin mit meiner spontanen Entscheidung doch sehr zufrieden!
    (27.06.2010)
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    "Be Yourself - A Tribute To Graham Nash" (Grass Roots, Juni 2010)
    Ich liebe Tribute-Sampler - zumindest meistens und vor allem dann, wenn die richtigen Songschreiber von den richtigen Leuten gecovert werden. Leider hat es da in den letzten Jahren eine gewisse Inflation mit einem spürbaren Qualitätsverlust gegeben, bzw. starkem Gefälle zwischen meisterlicher Vorlage und dazu stark abfallender Neuinterpretation. Ganz zu schweigen von diesen "Pink Floyd Shows" und Genesis-Tribute-Spektakeln, die ganze Alben dieser Bands originalgetreu auf die Bühne bringen.
    Wenn aber nicht nur das Werk eines Künslers geehrt wird, sondern ganze Alben komplett neu interpretiert werden, dann lohnt es sich meistens, doch etwas genauer hinzuhören. Auf "Be Yourself" covert die alternative Musikelite der USA und dem Grenzbereich Folk/Indierock (ich sag nur: Bonnie "Prince" Billy, Robin Pecknold (Fleet Foxes), Alela Diane, Vetiver, Brendan Benson von den Raconteurs, Greg Weeks von den Espers und andere) Lied für Lied das Debüt "Songs For Beginners" von Graham Nash aus dem Jahre 1971. Jetzt könnte manch einer sagen: "Graham Nash? Das ist doch der Uncoole von CSN&Y!" Das mag ja vielleicht auch noch stimmen, aber "Songs For Beginners" ist ein wirklich tolles Album (was mir gottseidank schon vor ein paar Jahren aufgefallen ist!) - und "Be Yourself" ist ebenfalls eine wunderbare Angelegenheit: alle Beteiligten liefern gute Arbeit ab, keine einzige Interpretation fällt durch, kein einziger Durchhänger. Ganz klar eines der besten Alben aus der Sonderkategorie "Wenn ganze Alben gecovert werden"!
    (03.08.2010)
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    I Am Kloot: "Sky At Night" (Play It Again Sam/Shepherd Moon, Juli 2010)
    I Am Kloot haben bisher eigentlich nur gute Alben herausgebracht - und jetzt soll das neue laut Produktinfo nicht nur das beste bisher sein (was fast jeder Künstler von seinem neuen Album behauptet), sondern sogar ein Quantensprung? Ein wenig zu marktschreierisch? Vielleicht. Zu den besten Arbeiten der Band gehört es auf jeden Fall - und hat ausserdem sogar den bisher besten Klang von allen Kloot-Platten, weilman sich mit Gus Garvey und Craig Potter sogar zwei amtliche und angesafte Produzenten leisten konnte, wobei ich deren bisherige Arbeiten nicht kenne. Mein erster Eindruck von der Platte (jawohl: ich halte das wunderschöne Klappcover der Vinylausgabe in Händen!) ist auf jeden Fall sehr gut. Könnte sogar ein Kandidat für meine Jahres-Top10 sein, denn ich höre sofort mehrere der allerbesten Ohrwürmer heraus.
    (15.08.2010)
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    Menomena: "Mines" (City Slang/Barsuk, Juli 2010)
    Der Vorgänger "Friend & Foe" war eine Zufallsentdeckung und eine angenehme Überraschung. Bei "Mines" steigern sich die drei gleichberechtigten Sänger, Songschreiber und Multiinstrumentalisten Brent Knopf (hauptsächlich Gitarre & Keyboards), Danny Seim (hauptsächlich Schlagzeug) und Justin Harris (hauptsächlich Bassgitarre und Baritonsaxofon) nochmals und liefern etwas wirklich Großartiges ab!
    Das ganze kommt als Vinyl-Doppelalbum mit insgsamt ca. 60 Minuten Laufzeit daher. Der dazugehörige MP3-Download scheint bei City Slang auch schon Standard zu sein. So muss das sein!
    (01.08.2010)
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    Kim Richey: "Wreck Your Wheels" (Lojinx, Juli 2010)
    Ich kenne kaum eine Sängerin/Songschreiberin, die man weitestgehend unter die Kategorie "Country" einordnen kann, wo hohe musikalische Qualität in einem solch krassen Missverhältnis zur Akzeptanz bei Plattenfirmen und Massenpublikum steht. Vor einigen Jahren hatte ich mich ja schon sehr über ihren Rauswurf beim angeblich so coolen Label Lost Highway aufgeregt (nach ihrem - in meinen Augen & Ohren - Meisterwerk und meinem Album des Jahres 2002 "Rise"). Dann erschien beim ebenfalls legendären Label Vanguard das ebenfalls gelungene Album "Chinese Boxes", immerhin mein drittliebstes Album von 2007. Ob Kim jetzt bei Vanguard rausgeflogen oder selber gekündigt hat weiss ich leider nicht. Und über das neue Label Loxinx kann ich auch nichts berichten, aber über die neue CD, die - wenig überraschend - wieder voll mit guten Songs und mit einer tollen Band eingespielt ist.
    (01.08.2010)
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    Marc Cohn: "Listening Booth: 1970" (Sony/Sanguaro Road, Aug. 2010)
    Wie langweilig - schon wieder eine Platte nur mit Coverversionen! Und dann auch noch von Marc "Walking In Memphis" Cohn, der zwar nie pfui aber auch nie wirklich hui war. In der Ankündigung stand, dass es um seine Lieblingslieder aus dem Jahre 1970 geht. Darunter ist zwar nichts wirklich Obskures (oder soll man "Maybe I'm Amazed" von einem frühen McCartneyAlbum "obskur" nennen?). Kaufanreiz war letztendlich der "New Speedway Boogie" von den Grateful Dead (obwohl mein "Dead-Enthusiasmus" im Moment aufgrund fehlendem Nachschubs auch nur noch ganz sparsam vor sich hinköchelt.
    Mein erster Höreindruck: Marc Cohn singt toll und alle Lieder sind wunderbar interpretiert. Einen einzigen kleinen Abstrich möchte machen: bis auf das Schlagzeug und Blasinstrumente spielt Produzent John Leventhal fast alle Instrumente, die er zwar perfekt beherrscht, aber mit denen er auch eine gewisse klinisch saubere Langeweile verbreitet - zumindest ein klein wenig. Trotzdem eine schöne Platte.
    (27.08.2010)
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    Nils Koppruch:"Caruso" (Grand Hotel Van Cleef, Aug. 2010)
    Ob das jetzt noch Fink heißt oder nicht: Nils Koppruch ist einer der wenigen deutschsprachigen Sänger/Liedschreiber, von denen ich wirklich begeistert bin. Könnte unter anderem daran liegen, dass Musik UND Text gelungen sind.
    (15.09.2010)
    Los Lobos: "Tin Can Trust" (Proper, Aug. 2010)
    Mit den Wölfen aus East L.A. hatte ich mich lange nicht mehr beschäftigt. Weil auf "Tin Can Trust" aber 1x die Grateful Dead gecovert werden ("West L.A. fade Away" vom 87er Hitalbum "In The Dark") und Robert Hunter mit Cesar Rosas zusammen sogar einen neuen Song geschrieben hat und Marc Cohn sich zeitgleich ebenfalls am Dead'schen Liedgut versucht, habe ich das mal als "höheres Zeichen" gesehen und beide CDs gekauft (Vinyl gab's nicht oder war mir zu teuer!). "Tin Can Trust" ist ein schönes, zeitloses Rockalbum, das mich zu der Frage bringt: Warum hab ich mich in den letzten Jahren kaum mit dieser wirklich guten Band beschäftigt, die ja auch immerhin schon im dritten Jahrzehnt ihrer Bandgeschichte ist, ohne dabei altbacken zu werden?
    (27.08.2010)
    Mark Olson: "Many Coloured Kite" (Rykodisc, Aug. 2010)

    später mehr ...
    (29.08.2010)

    "Many Colored Kites" ist wirklich sehr schön geworden. Das ist nicht überraschend, denn schlechte Platten kenne ich von Marl Olson eigentlich nicht. Nur fällt mir im Moment leider nicht mehr Erbauliches zu dem Themaein. Bitte abwarten & Tee trinken. Oder selber hören.
    (08.09.2010)

    "Many Colored Kites" ist sogar richtig gut: Titel 2, "Morning Dove" mit der tollen Zeile "My loved one walks on water". Bei "No Time To Live Without Her" ist sogar Vashti Bunyan zu hören. Nicht das sowas unbedingt sein muss, aber es adelt doch die Platte ein wenig. "Scholastica" nervt, aber der Rest ist sehr schön geraten.
    (15.09.2010)

    Konzerthighlight: JZ Karo, Wesel, 16.10.2010

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    Phil Selway: "Familial" (Bella Union, Aug. 2010)
    Wenn Trommler singen und komponieren ...
    (08.09.2010)
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    Black Mountain: "Wilderness Heart" (Jagjaguwar, Sept. 2010)
    Es wird im Opener zwar heftig bei Led Zeppelin abgekupfert - aber das ist ja nicht das schlechteste Vorbild. Die Band aus Vancouver/Kanada um den Sänger, Gitarristen und Songschreiber Stephen McBean könnte man oberflächlich betrachtet dem Hardrock zuordnen - aber dann würde es mir wohl kaum gefallen und ich würde kein Wort über die Truppe verlieren. Durch hemmungslosen Einsatz von historischen Tasteninstrumenten wie Moog, Mellotron und Orgel und die Beteiligung einer Sängerin, die eher nach Folk oder Indierock klingt, sowie gelegentliche Farbtupfer mit Akustikgitarren erinnert mich das eher an eine rockigere Variante der Walkabouts (die kamen ja auch aus dem Nordwesten von Nordamerika!), gekreuzt mit Hawkwind und von mir aus auch Black Sabbath, tief verwurzelt in den 70ern, ohne eine Spur nostalgischer Behäbigkeit.
    Ausserdem: wie so oft (oder immer?) bei Jagjaguwar: das Vinyl kommt mit Downloadcode für die MP3s.
    (15.10.2010)
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    Lloyd Cole: "Broken Record" (Tapete, Sept. 2010)
    Mein zweitliebster Exilbrite in den USA mit einem seiner besten Alben seit "Rattlesnake", das ja schon verdammt lange zurückliegt!
    (15.09.2010)
    Charles Lloyd Quartet: "Mirror" (ECM, Sept. 2010)

    Nach Ewigkeiten habe ich mir mal wieder eine aktuelle ECM-Veröffentlichung gegönnt! Schon seit vielen Jahren verwöhnt uns der inzwischen über 70jährige SaxofonistCharles Lloyd aus Kalifornien mit ausgezeichneten Alben beim Münchener Wohlklanglabel ECM, allerdings hatte ich zuletzt vor über 10 Jahren zugegriffen (beim 99er Album "Voice In The Night" mit John Abercrombie, Dave Holland und Bill Higgins). Zufällig las ich vor ein paar Wochen vom neuen Album. Die neuen, unbekannten Begleiter (Pianist Jason Moran, Bassist Reuben Rogers und Trommler Eric Harland) konnten mich natürlich nicht neugierig machen, aber einige der Titel klangen interessant: "Caroline No" vom Beach Boys-Meisterwerk "Pet Sounds" (für die Lloyd in den 70ern im Studio oft aktiv war!), sowie zwei Monk-Kompositionen. Ich habe online kurz reingehört, war sehr angetan und habe die CD sofort bestellt: jetzt lausche ich einem - ich traue mich das kaum nach 2-3 Hördurchläufen zu sagen - Meisterwerk, dessen spirituelle Stimmung (ich kann es nicht besser beschreiben!) mich stark an Coltranes Meisterwerk "A Love Supreme" erinnert! Ein Kritiker nennt Lloyd neues Quartett sogar eines der aktuell besten Jazzensembles weltweit: dem kann ich nur zustimmen.
    (12.10.2010)

    Gestern wurde "Mirror" sogar in der NRZ vorgestellt - wie neulich auch mein alter Held Richard Thompson. Und auch in der NRZ wird der Vergleich zu John Coltrane und "A Love Supreme" gezogen. Besucht jemand bei der NRZ heimlich die W4L-Seite oder haben wir beide einfach nur Recht?
    (15.10.2010)

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    Robert Plant: "Band Of Joy" (Decca/Es Paranza, Sept. 2010)
    Robert Plant und Buddy Miller spielen Richard Thompson (das von mir fast vergessene "House Of Cards" vom tollen, unterbewerteten Album "First Light" von 1978), dazu was Obskures von Townes van Zandt, was von Los Lobos und sogar zwei Lieder von den Meistern der Langsamkeit, Low. Das alles etwas krachiger als noch bei "Raising Sand" und auch ohne die zauberhafte Alison Krauss (dafür aber mit der ebenfalls wunderbaren Patty Griffin!). Ein wirklich gelungenes Album. Keinen Deut schlechter als "Raising Sand": also WIRKLICH GUT!
    (15.09.2010)
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    Caitlin Rose: "Own Side Now" (Names, Sept. 2010)
    Nach der sehr schönen 10 Zoll-EP " Dead Flowers" hier das "eigentliche" Debütalbum der jungen Sängerin aus Nashville, Tennessee. Weniger Honky Tonk und mehr Pop, aber trotzdem schön! Caitlin ist sicherlich eine der interessantesten neuen Sängerinnen aus Nashville, die man weitestgehend unter "Country" einsortieren könnte.
    (02.01.2011)
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    Neil Young: "Le Noise" (Reprise, Sept. 2010)
    Eigentlich wollte ich mich nach mehreren schwachen und einem echt nervenden Album ("Fork In The Road") von Good Old Neil fernhalten. Die Information, dass es sich um reine Soloaufnahmen ausschließlich mit Gesang und verzerrter E-Gitarre handeln soll, haben mich in meiner Verweigerungshaltung sogar noch bestärkt. Eine erste recht positive Besprechung, in der auch der Name von Produzent Daniel Lanois fiel, hat mich dann aber zum Reinhören bewogen: meine Meinung änderte sich, denn die Songs schienen eigentlich ganz gut zu sein. Ausserdem brazte die Gitarre doch nicht so furchtbar wie noch zuletzt noch bei der Forke oder bei "Living With War". Also habe ich in altem Reflex und mit guter Laune doch bestellt und halte jetzt eine wunderschön aufgemachte CD in Händen, deren Musik mir eigentlich ganz gut gefällt (vor allem die beiden akustischen (!) Lieder), die dann aber nach dem zweiten/dritten Hören doch nicht wirklich besser wird. Na ja - ein klarer Fortschritt zur Forke ist das schon, somit auch kein Fall für die Rubrik "Alte Helden tun sich schwer" - aber eben auch nicht für die Rubrik "die Besten von 2010".
    (03.10.2010)
    Brokof: "Softly, Softly, Catchee Monkey" (Goldrausch, Okt. 2010)

    Eine weitere Zufallsentdeckung: Westcoast-Folkrock mit 70er-Feeling aus Berlin. Tolle Songs, zeitlose Instrumentierung, schöne Stimmen. Zwar ist auch ganz frisch ein neues, zweites Album herausgekommen, aber ich fange erstmal mit der zwei Jahre alten Numero Uno an! Ausserdem gibt's noch eine zehn-Zoll-EP, die ich natürlich auch bestellt habe. Ich bin mal gespannt, ob die noch zu bekommen ist!
    (14.10.2012)

    War sie! Näheres natürlich auf der Zehn-Zoll-Seite.
    (21.10.2012)

    Auch das neue Album "Side By Side" ist endlich da!
    (04.11.2012)

    Elfin Saddle: "Wurld" (Constellation, Okt. 2010)
    Eine ganz besondere Platte vom ganz besonderen Plattenlabel Constellation aus Kanada - und eigentlich sind das auch eher ein Animationsfilm und der Konzertmitschnitt von der Filmpremiere im Mai 2010 des Künstlerpaares Emi Honda und Jordan McKenzie, in limitierter Sonderauflage mit einer 30minütigen Zehn-Zoll-Vinylversion der Filmusik. Nicht bilig das Ganze (über 20 Oiro), aber allemal das Geld wert. Zumal ja auf der DVD zusätzlich alle Töne der Platte als MP3s und als WAVs enthalten sind.
    Die Musik von Elfin Saddle? Obskurer Singer/Songwriter-Folk in Englisch und (vermutlich) Japanisch vom multiinstrumentalen kanadisch/japanischen Pärchen (Gesang, Gitarren, Trommeln, Ukulele, Banjo, Glockenspiel, Akkordeon, etc.) zusammen mit dem Kontrabassisten Nathan Gage und zwei ebenfalls multiinstrumentalen Gastmusikern. Irgendwie eine Kreuzung aus der Incredible String Band mit Danny Thompson (also Pentangle- ohne deren Gitarrenvirtuosität - in leichter Schräglage!) und den leider völlig unterschätzten Damon & Naomi. Es wird dauern, sich in diese wirklich originelle Musik einzufinden, aber es lohnt sich.
    Übrigenz ist auch der Animationsfilm spannend, genauso wie der Konzertmitschnitt in optischer, musikalischer und technischer Hinsicht aussergewöhnlich gelungen ist. Beeindruckend neben der Bild- und Tonqualität des Konzertfilms finde ich zum Beispiel wie Jordan McKenzie gleichzeitig mit der linken Hand das Akkordeon spielt und dazu mit der rechten Hand trommelt. Das hat was - ist auf jeden Fall sehr originell.
    (27.11.2010)
    Bryan Ferry: "Olympia" (Virgin, Okt. 2010)
    Bitte jetzt nicht wundern, warum hier der gute alte Herr Ferry von Roxy Music auftaucht: ich hatte zwar noch nie wirklich was gegen ihn, war aber auch kein Fan. Die frühen Roxy Music finde ich sogar ziemlich gut, während das Spätwerk und seine Soloalben weitesgehend an mir vorbeigegangen sind. Als ich aber kürzlich las, das er eines meiner ALLERLIEBSTEN LIEDER, und zwar Tim Buckleys "Song To The Siren" aufgenommen hat, da war der Kauf der Platte quasi ein MUSS.
    Gerade läuft der "Song To The Siren" in der "Hochglanzversion" von Bryan Ferry - und gefällt mir sogar ausgesprochen gut. Bombastisch? Ja, klar! Trotzdem schön? Aber sicher doch! Es sind mit Dave Gilmour, Phil Manzanera und Jonny Greenwood von Radiohead auch gleich drei Ausnahmegitarristen an der Nummer beteiligt, dazu Brian Eno mit seinem Synthesizer und Andy Mackay an der Oboe.
    (04.11.2010)
    Kort: "Invariable Heartache" (City Slang, Okt. 2010)

    Country-Duette, fast im Stil von George Jones und Tammy Wynette, von Lambchop Bandleader Kurt Wagner mit der Sängerin Cortney Tidwell, deshalb natürlich der supergeniale "Bandname" Kort, allesamt aus dem eher obskuren Backkatalog des ehemaligen Label Chart von Courtneys (Gross?)-vater. Puristischer Country ohne Schnickschnack und ohne irgendwelche Zugeständnisse: weder an das Mainstream-Nashville, noch an das "Alternative"-Publikum von Lambchop. Sehr gelungen, das Ganze!
    (12.10.2010)

    Ein Frage bleibt mir als altem und unverbesserlichen Platten-im-Regal-alphabetisch-Einsortierer: unter K wie bei Kort oder unter W wie Wagner, Kurt? Da haben es die stilvolleren Platten-im-Regal-nach-geschmacklichen-Kategorien-Einsortierer wohl leichter: natürlich direkt zu den Lambchop-Platten

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    Pavlov's Dog: "Echo & Boo" (Rockville, Okt. 2010)
    Ein neues Studioalbum meiner alten Helden? Das war dann doch sehr überraschend, obwohl ich die wiedervereinigte Band im Sommer 2007 in der Bochumer Zeche bereits live sehen konnte. Damals hatte ich mir "Dancing On The Edge Of A Teacup", das aktuelle Soloalbum von Sänger David Surkamp gekauft, das mir vor allem wegen der billigen Keyboardsounds (und schwachen Songs?) aber nicht sonderlich gut gefallen hatte. "Echo & Boo" hat (natürlich) nicht die Klasse von "Pampered Menial" oder von "At The Sound Of The Bell", ist aber für ein Comebackalbum von "Rock-Rentnern" aus den 70ern doch ziemlich gut geworden. Und solange David Surkamp so singt wie er singt ist sowieso alles in Ordnung.
    (16.01.2011)
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    "7 Walkers" (Response, Nov. 2010)
    Viele Menschen trauern den Grateful Dead nach und trösten sich mit anderen Jambands (die gelegentlich ziemlich interessant sind!) oder einem weiteren Livemitschnitt der alten Helden (davon habe ich nicht ganz so viele, auf jeden Fall nicht so viele wie der typische Deadhead). Was mir aber vor allem fehlt, und das eigentlich schon seit den 90ern, als Jerry noch unter den Lebenden und Auftretenden weilte, waren neue Songs. Für deren Entstehung nicht unwichtig war Jerrys Partner Robert Hunter - selber kein begnadeter Sänger, aber ein meisterhafter Versschmied. Zwar gab es in den letzten Jahren Kollaborationen von Hunter mit Jim Lauderdale, David Nelson (New Riders Of he Purple Sage) und sogar Bob Dylan, aber es waren die beiden Trommler der Dead, die mit seiner Hilfe besonders interessante Musik schufen: vor ein paar Jahren Mickey Hart ("Mystery Box", 1996) und jetzt Bill Kreutzmann mit seiner neuen Band 7 Walkers. Mit dabei federführend als Sänger/Gitarrist ist Papa Mali aus New Orleans, mir zuvor unbekannt, und George Porter Jr., der alte Bassist der Meters. Das ergibt zwar keine typische Jambandmusik mit laaaangen Improvisationen, aber New Orleans-Musik in bester Tradition von Dr. John (und natürlich den Meters!). Sehr schön und für mich als uninformierten "Vierteldeadhead" eine echte Überraschung!
    P.S.: Vor ein paar Jahren hatte sich sogar Phil Lesh zu einem guten Studioalbum aufgerafft ("There And Back Again" von 2002, auch mit Hunter-Texten), aber warum kommt eigentlich Bob Weir nicht aus dem Quark?
    (09.01.2010)
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    Stereolab: "Not Music" (Duophonic UHF, Nov. 2010)
    Die Band habe ich eigentlich immer sehr gemocht, dann in den späten 90ern bzw. frühen 00er Jahren leider etwas aus den Augen und Ohren verloren und vor ziemlich genau zwei Jahren mit dem 10-Zoll-Doppelalbum "Fab Four Suture" wieder neu für mich entdeckt. Die aktuelle Veröffentlichung von "Not Music" hat mich sogar etwas überrascht, denn eigentlich schien das 2008 erschienene Album "Chemical Chords" ja das Ende der Band zu bedeuten. Tatsächlich sind auch auf zwei der vier Seiten dieses Doppelalbums (jawohl: ich hab mir das Vinyl gegönnt!) Remixe von Stücken des letzten Albums zu hören, aber der Rest scheint neu zu sein, aufgenommen von 2007 bis 2009, also nach der Veröffentlichung der chemischen Akkorde.
    (15.12.2010)
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    Warpaint: "The Fool" (Rough Trade, Nov. 2010)
    Vier Mädels aus L.A., die plötzlich total angesagt sind - weshalb ich mich zuerst auch nicht dafür interessiert habe, denn angesagte Bands und meine Lieblinxbands - das passt schon lange Zeit nicht mehr zusammen. Jetzt habe ich nach einem Rolling Stone-Artikel aber doch einmal reingehört - und bin ziemlich angetan: die jungen Damen, Mitte bis Ende 20 würde ich mal schätzen, bearbeiten Gitarren, Bass und Schlagzeug voller Begeisterung und mit viel Stilgefühl, wenn auch nicht unbedingt virtuos im klassischen Sinne. Gesanglich fühle ich mich ein wenig an die Bangles erinnert (wenn auch weniger poppig), gitarristisch an die obskure englisch Band And Also The Trees, was natürlich am intensiven Einsatz von Moll-Akkorden und Gitarreneffektgeräten liegt. Auch bei AATT hatte mir der Einsatz von Echogeräten schon immer gefallen, ganz entgegen meiner sonstigen Abneigung von New-Wave-Stadionrockern wie etwa U2. Warum weiß ich gar nicht so genau. Ansonsten empfehle ich Hören und Gucken, denn die Mädelz sind natürlich auch extrem apart ...
    (27.02.2011)

    Schade drum ...

    Paul Weller: "Wake Up The Nation" (Island, April 2010)

    Tja - eigentlich war ja immer mein Prinzip, dass ich Platten, die ich nicht mag, hier gar nicht erst erwähne. Bei ein paar meiner alten Helden (Neil Young, Man und Yo La Tengo bzw. Condo Fucks) habe ich da im vergangenen Jahr mal Ausnahmen gemacht. Paul Wellers neues Werk geht für mich auch nach zwei, drei Hörversuchen in diese Richtung: die harten Rockgitarren der meisten Nummern wollen mir überhaupt nicht gefallen, obwohl ich überhaupt nichts gegen harten Rock habe. Auch der (neuentdeckte?) Falsettgesang (z.B. bei "Aim High") nervt. Sowas konnte Curtis Mayfield besser.
    Was soll ich sagen? Ich bekomme leider keinen Zugang zu den neuen Liedern, worauf es wohl letztendlich hinausläuft. Vielleicht erst mal zur Seite legen und später noch mal reinhören ...
    (21.05.2010)

    Vielleicht bin ich etwas ungrecht gegenüber Paul Weller und seinem neuem Album, aber ich bekomme da nach wie vor keinen Zugang zu seinem Weckruf an die Nation. Also war die Alternative: weglassen oder einsortieren in der Abteilung Enttäuschungen!
    (12.07.2010)

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    Portugal. The Man: "American Ghetto" (Defiance, Juni 2010)
    Nach dem wunderbaren Album "The Satanic Satanist" von 2009 hatte ich mich total auf das neue Album seit seiner Ankündigung im Frühjahr gefreut und mir natürlich umgehend die Vinylausgabe bestellt. Im Prinzip ist auch alles da: die Songs, die Melodien und die Stimme von Sänger/Songschreiber John Baldwin Gourley, die Gitarren und die Tasteninstrumente. Alles sofort als Portugal. The Man erkennbar. Leider hat die Band keinen Schlagzeuger (mehr?) und alle Lieder kommen mit einem üblen und einfallslos programmierten Drumcomputer daher. Somit handelt es sich bei "American Ghetto" wohl eher um die Demos zu einem neuen, nicht existenten Album, das vielleicht sogar ein gutes im Stil der letzten Werke hätte werden können. So aber nervt es mich und ist wegen der langweiligen und uninspirierten Maschinentrommelei fast unhörbar. Schade drum.
    P.S.: auch das Cover ist nicht mehr so extravagant gestaltet wie beim letzten mal ...
    (07.03.2011)
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    Erstellt: 01.01.2010 Letzte Aktualisierung: 14.11.2016 16:15 16589 Besucher seit dem 01.01.2010
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