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Michaels Favoriten 1993

Das Album des Jahres

Penelope Houston: "The Whole World" (Normal/Heyday, Juli 1993)
Penelope Houston und ihre Band (Mel Peppas an der Mandoline, Steven Strauss am Kontrabass, Eliot Nemzer an der Gitarre und Kevin Mummey am Schlagzeug) waren einer der wichtigsten Inspirationen für uns bei W4L, als wir unsere Variante akustischer Musik ausloteten. Hier wurde eine kompakte akustische Instrumentierung für eine Musik eingesetzt, die kaum was mit Folkgeschrammel und "MTV-Unplugged-Gedaddel" zu tun hat: die Band groovt, rockt und spielt gleichzeitig extrem differenziert. Gekrönt wird das ganze durch das erstklassige Songmaterial von Penelope Houston: "Glad I'm A Girl", "Qualities Of Mercy", "On Borrowed Time" und, und, und ...

weitere Highlights ...

Rosanne Cash: "The Wheel" (Columbia, Jan. 1993)
Musikalisch wahrgenommen habe ich Johnny Cashs älteste Tochter erstmalig beim Dylan-Jubiläumskonzert (1991?), als sie zusammen mit Mary-Chapin Carpenter und Shawn Colvin eine wunderbare Version von "You Ain't Goin' Nowhere" brachte. Und jetzt dieses starke Album, zusammen mit John Leventhal komponiert, produziert und aufgenommen: ich muss feststellen, dass ich da in den vergangenen Jahren so einiges verpasst habe, u. a. ca. 10 Nr.1-Hits in den Countrycharts der 80er. Aber das war ja bisher auch nicht meine Baustelle. Inzwischen ist sie ja auch mit ihrem musikalischen- und Lebenspartner John Leventhal ja auch in New York ansässig, was man dem Album deutlich anhören kann.
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Katrin Achinger & The Flight Crew: "Icaré" (Strange Ways, Feb. 1993)
Ein recht ungewöhnliche Platte! Mit Rockmusik hat das auch nichts mehr zu tun. Katrin Achinger ist Bassistin und Sängerin der Kastrierten Philosophen, der besten deutschen Band mit bescheuertem Namen. Auf ihrem Solodebüt gibt es keine Gitarren oder Keyboards zu hören: neben K.P.-Schlagwerker Rüdiger Klose, einer Marimbaspielerin und drei Musikern an Streichinstrumenten (Kontrabass, Cello, Bratsche und Geige) gibt es nur Katrin Achingers interessante Stimme zu hören.
Bedlam Rovers: "Wallow" (Normal, Feb. 1993)
Gefunden in der Grabbelkiste!
(21.01.2013)
Nanci Griffith: "Other Voices, Other Rooms" (Elektra, Feb. 1993)

Selbst eine ausgezeichnete Songschreiberin, stellt Nanci Griffith hier ihre Lieblingssongs von anderen Autoren vor, wobei diese höchstpersönlich oder andere bekannte Kollegen als Duettpartner oder Begleiter mit im Studio waren. Eine dermaßen hochkarätige Versammlung von Songs und Songwritern habe ich selten gehört - und das Ergebnis ist wunderbar!

  1. Across The Great Divide (Kate Wolf) - mit Emmylou Harris
  2. Woman Of The Phoenix (Vince Bell)
  3. Tecumseh Valley (Townes van Zandt) - mit Arlo Guthrie
  4. Three Flights Up - von/mit Frank Christian
  5. Boots Of Spanish Leather - von/mit Bob Dylan
  6. Speed Of The Sound Of Loneliness - von/mit John Prine
  7. From Clare To Here (Ralph McTell) - mit Pete Cummins
  8. Can't Help But Wonder Where I'm Bound (Tom Paxton) - mit Carolyn Hester
  9. Do Re Mi (Woody Guthrie) - mit Guy Clark
  10. This Old Town (Janis Ian/Jon Vezner)
  11. Comin' Down In The Rain (Buddy Mondlock)
  12. Ten Degrees And Getting Colder (Gordon Lightfoot) - mit Iris DeMent
  13. Morning Song For Sally (Jerry Jeff Walker)
  14. Night Rider's Lament (Michael Burton) - mit Don Edwards
  15. Are You Tired Of Me Darling (Carter Family) - mit Chet Atkins, Emmylou Harris und Iris Dement
  16. Turn Around (Malvina Reynolds, Harry Belafonte) - mit Chet Atkins
  17. Wimoweh (The Weavers) - mit John Hartford, Odetta u.a.
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Walkabouts: "New West Motel" (Sub Pop, Feb. 1993)
Auf diesem Doppelalbum (bzw. Einzel-CD mit drei Liedern weniger!) liefen Chris Eckman und Carla Torgerson aus Seattle mit ihrer Band zu Topform auf, obwohl sie eigentlich nie eine schlechte Platte gemacht haben. Außerdem gilt hier: der Prophet zählt nichts im eigenen Land. In Europa haben sie die treuesten Fans und veröffentlichen ihre Platten, zu hause in den USA sind diese teilweise gar nicht zu bekommen. Neben den tollen Songs von Chris Eckman sei an dieser Stelle noch auf die Coverversion von "Snake Nountain Blues" (Townes van Zandt) hingewiesen. "Like A Hurricane" (Neil Young) und "Yesterday Is Here" (Tom Waits) findet man dagegen nur auf dem Vinyl-Doppelalbum oder der CD-Single "Jack Candy".
Chuck Prophet: "Balinese Dancer" (China, Feb. 1993)
Das zweite Soloalbum des Green On Red-Saitenzauberers aus San Francisco - und wegen "110° In The Shade", einem wunderbaren Gesangsduett mit seiner Freundin Stephanie Finch, mein Lieblingsalbum von ihm. Die Begleitband ist mit Rolley Salley (bg, Chris Isaac Band), Kevin Blevins (dr, John Hiatt's Goners) und Greg Leisz (spielt überall, wo Steeler gebraucht werden) sehr gut besetzt. Als Gäste sind u. a. David Grisman (mand), Al Kooper, David Kemper (dr, Jerry Garcia Band) und Don Heffington (dr) dabei.
Stereolab: "Space Age Batchelor Pad Music" (Too Pure, März 1993)
Vordergründig monotone Rhythmen wie bei Hawkwind und Kraftwerk unter der Federführung von Gitarrist Tim Gane (England, Ex-McCarthy) und wichtiger Unterstützung von Sean O'Hagan (Irland, Ex-Microdisney, jetzt High Llamas), darüber der charmante Gesang von Tims französischer Freundin Laetitia Sadier und der Australierin Mary Hansen: heraus kommt dabei eine ganz wunderbare, gleichzeitig verschrobene und eingängige Musik!
The Gun Club: "Lucky Jim" (What's So Funny About, April 1993)
Das wundervolle Abschiedsgeschenk von Jeffrey Lee Pierce und seinem Pistolenclub. Drei Jahre später war der Mann leider tot.
Eleventh Dream Day: "El Moodio" (Atlantic, April 1993)
Fantastische Gitarrenband aus Chicago mit ihrem 4. Album (EPs nicht mitgerechnet). Die Band wurde in den 80ern vom Sänger/Gitarristen und offenkundigem Neil-Young-Fan Rick Rizzo mit seiner Lebensgefährtin Janet Beveridge Bean (Schlagzeug) gegründet. Lange schon dabei ist der Bassist Douglas McCombs, neuer zweiter Gitarrist Matthew O'Bannon. Für ihr zweites Album "Beet" kamen sie bei Atlantic unter, haben aber deren (kommerzielle) Erwartungen wohl nicht erfüllen können.
11DD kann man als Keimzelle eine breit vernetzten Szene betrachten. Während sie vor allem das Vehikel von Rick Rizzo waren, haben seine Mitstreiter parallel dazu Zweitkarieren gestartet, z. T. mit kommerziell wesentlich größerem Erfolg: Janes B. Bean gründete als Sängerin/Gitarristin die Countryband Freakwater und hat 2003 sogar unter dem Projektnamen Janet Bean & The Concertina Wire ein schönes, "experimentelles Singer/Songwriter-Album" herausgebracht, Douglas McCombs sorgte zusammen mit John McIntyre für Furore mit der "Postrock"-Band (was auch immer das sein mag) Tortoise. Kurzzeitmitglied Matt O'Bannon veröffentlichte immerhin ein Soloalbum, das ich aber bisher noch nicht gehört habe.
Gutterball (Enemy/BrakeOut, Mai 1993)
Die Band war eigentlich nur als Spaßprojekt der beteiligten Musiker gedacht und war dann plötzlich erfolgreicher als die Stammbands: Sänger/Gitarrist Steve Wynn kam von den aufgelösten Dream Syndicate, Bassist Bob Rupe war mal bei den Silos, Gitarrist Steven McCarthy bei den Long Ryders, während Gitarrist Bryan Harvey mit Drummer Johnny Hott das Duo House Of Freaks bildet.
Bernd Begemann: "Rezession, Baby!" (EfA/Rothenburgsort, Juni 1993)
Den Mann muss man live gesehen haben. Nur mit einer E-Gitarre bewaffnet stellt sich der Ex-Sänger von Die Anwort wie damals Billy Bragg vor sein Publikum - der beste Entertainer, wo gibt (wie der Schwabe sagt). Dabei sind die Überleitungen zwischen den Songs oft noch besser (und länger!) als die Songs selber, die man aber jetzt hier auf Tonträger (auf eigenem Label!) genießen kann, und: auch dort haben die skurrilen Geschichten Bestand. Und das Ganze ist wirklich nicht überproduziert (gelegentlich zu Gesang und Stimme von Bernd mal hier und da ein Bass oder ein Keyboard: echtes Homerecording!).
Van Morrison: "Too Long In Exile" (Polydor, Juni 1993)
Ein würdiger Nachfolger zu "Hymns To The Silence" (1991), wieder mit Georgie Fame an der Orgel und wieder mit ausgezeichneten Songs. Es gibt sogar zur Abwechselung mal wieder ein paar, die nicht aus der Feder des Meisters sind - allesamt Blues- und Jazzklassiker: "Lonely Avenue" (Doc Pomus, bekannt durch Elvis), "Good Morning Little Schoolgirl" (Sonnyboy Williamson II, mit Gastauftritt von John Lee Hooker!), "Moody's Mood For Love" (James Moody) und "I'll Take Care Of You" (Brook Benton).
Maria McKee: "You Gotta Sin To Get Saved" (Geffen, Juni 1993)
Seit ich sie mit ihrer Band Lone Justice zum ersten mal im Fernsehen gesehen habe bin ich ein Fan. Leider kommen ihre Soloalben in viel zu großen Abständen heraus. In der Begleitband stützt sie sich neben Bruce Brody, der schon auf dem titellosen Debütalbum die Orgel bediente, mit Marvin Etzioni (bg, mand) und Don Heffington (dr) auf zwei alte Mitstreiter aus Lone Justice-Tagen. Dazu kommen die beiden Sänger/Gitarristen Mark Olson und Gary Louris von den Jayhawks, die mit "Precious Time" auch ein Lied beisteuern, sowie die beiden Sänger/Gitarristen Jon Auer und Ken Stringfellow von den Posies. Neben drei Covers (2x Van Morrison, 1x Carole King) gibt es auch wieder ausgezeichnetes Eigenmaterial, z.T zusammen mit Brody und Etzioni verfasst.
Red House Painters: "Red House Painters II" (4AD, Juni 1993)

Zweites Album der Band um den Sänger und Gitarristen Mark Kozelek, der wegen seiner traurig-langsamen Lieder schon mal mit Mark Eitzel oder sogar Nick Drake verglichen wird. Vor einigen Jahren war er mal kurioserweise "schauspielernd" als Bassist der imaginären Band Stillwater in Cameron Crowes Film “Almost Famous” zu sehen.

“Wer die Red House Painters noch nicht kennt, der sollte wissen, dass im Vergleich selbst große Melancholiker wie Coldplay wie lustige Partymusikanten anmuten. In den von sanftem Akustik-Moll getragenen Songs beschwört diese Band wieder Momente von solch existenzieller Tristesse, dass augenblicklich die Blätter von den Bäumen fallen. Kozelek mag ein Mann mit Humor sein, aber wenn er singt, ist es so, als ob das Licht ausgeht und der Herbst beginnt.” (TIP Berlin)

Neil Young: "Unplugged" (Reprise, Juni 1993)
Man kann zur Fernsehshow "MTV Unplugged" stehen wie man will - aber Mr. Young löst die Aufgabe souverän. Mir hat seine akustische Seite ("Harvest", "Comes A Time", "Harvest Moon") schon immer besonders gut gefallen (hey Leute - ich mag auch den Krach von ihm - aber eben nicht "nur"!). Songauswahl (was soll ich sie hier großartig aufzählen? Vielleicht die Akustikversion des Vocoderstücks "Transformer Man"?) und Begleitband (Nils Lofgren (Gitarre, Akkordeon), Ben Keith (Dobro), Spooner Oldham (Orgel), Tim Drummond (Bass), Oscar Butterworth (Schlagzeug), Nicolette Larson und Neils Schwester Astrid Young als Chor) sind unschlagbar!
"Sweet Relief - A Benefit For Victoria Williams" (Columbia, Juli 1993)
  1. Soul Asylum - Summer of Drugs 4:06
  2. Lucinda Williams - Main Road 3:09
  3. Pearl Jam - Crazy Mary 5:37
  4. Buffalo Tom - Merry Go Round 3:09
  5. The Jayhawks - Lights 5:25
  6. Shudder to Think - Animal Wild 2:23
  7. Lou Reed - Tarbelly and Featherfoot 3:16
  8. Maria McKee - Opelousas (Sweet Relief) 3:53
  9. Matthew Sweet - This Moment 4:46
  10. Evan Dando - Frying Pan 3:08
  11. Michael Penn - Weeds 3:47
  12. The Waterboys - Why Look at the Moon 2:15
  13. Giant Sand - Big Fish 4:09
  14. Michelle Shocked - Holy Spirit 5:41
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Grant Lee Buffalo: "Fuzzy" (Slash, Juli 1993)
Eine schöne Platte. Nicht nur der bekannte Titelsong ist erwähnenswert.
"Hit Me With A Flower - The New Sounds Of San Francisco" (Normal/SPEX, Juli 1993)
Diese CD, von Pat Thomas für das Bonner Normal-Label und die Zeitschrift SPEX zusammengestellt, machte mich und viele andere erstmals auf die alternative Folkrockszene von San Francisco aufmerksam: Namen wie Penelope Houston, Sonya Hunter, X-Tal,und die Bedlam Rovers wurden plötzlich bekannt. Leider hielt dieser für meine Ohren wunderbare klingende "Soft-Core" bzw. "Neo-Folk"-Trend nicht lange an, auch wenn viele der Künstler anschliessend noch weitere Alben bei Normal oder ähnlichen Labels veröffentlichen konnten. Aber vor allem das pseudointellektuelle SPEX-Magazin jagte bald schon die nächste Sau durch das Dorf der alternativen Trends ...
(22.05.2009)
Cracker: "Kerosene Hat" (Virgin, Aug. 1993)

David Lowery hat nach seiner Zeit bei Camper Van Beethoven mit der Nachfolgeband etwas "normalere" Töne angeschlagen und schafft den schwierigen Spagat zwischen Mainstream- und Alternative-Rock. Interessant ist die Coverversion des schwierigen "Bird Song" von Robert Hunter/Jerry Garcia, an den wir uns bei W4L noch nicht herangewagt haben.

Ooops! Da habe ich wohl etwas daneben gelegen: Cracker spielen zwar was von Jerry's Debütalbum, aber natürlich "Loser" und nicht das Vogellied!
(12.10.2003)

Locust Fudge: "Flush" (Glitterhouse, Aug. 1993)
Das Debüt des Duos Dirk Dresselhaus (AKA Schneider) von den HipYoung Things und Christopher Uhe (AKA Krite) von den Speedniggs. Irgendwo zwischen Grunge und Homerecording.
(25.12.2014)
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Motion: "Ex-Leben (Land, Meer)" (What's So Funny About, Aug. 1993)

Ich kenn mich mit deutschem Punkrock eigentlich nicht aus. Deswegen ist es vielleicht etwas verwunderlich, warum mir diese Zusammenarbeit von Rocko Schamoni und Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen so gut gefällt. Vielleicht, weil es kein Punkrock und auch keine (Pseudo-)Schlager, sondern "nur" Rockmusik mit (zugegebenermaßen) guten deutschen Texten ist? Oder weil ich die Show der Band im Voerder "Rolling Stone" ziemlich klasse fand?

Ach ja - gesponsert wurde dieses CD, soweit ich weiß, von einem "Düsseldorfer Millionär". Das war sicherlich nicht Herr Becker vom Autohaus Becker, sondern Campino von den Toten Hosen. Falls der Millionär ist. Aber sonst fällt mir da kein Name ein.

Palace Brothers: "There Is No One What Will Take Care Of You" (Drag City, Aug. 1993
Ein grammatisch gewagter Titel! Ebenso obskur ist die ganze Platte, man kann den Stil kaum beschreiben. Will Oldham ("Palace Brothers" ist eines von seinen vielen Pseudonymen) ist für die einen genialer Songschreiber, für die anderen ein depressiver Dilettant: also auf jeden Fall kein Mainstream!
Sonya Hunter: "Geography" (Normal, Sept. 1993)

1992/1993 gab es für einen kleinen Moment Aufmerksamkeit für akustisch orientierte Rock/Pop-Musik, auch "Neo-Folk" genannt. Viele der Künstler kamen aus der San Francisco-Bay Area, so auch Sonya Hunter und die weiter oben aufgeführte Penelope Houston. Leider war die Aufmerksamkeit der Medien nur sehr kurz. Während das Bonner Label Normal dieses zweite Album von Sonya in Deutschland veröffentlichte, ebenso wie "Peasant Pie", den Nachfolger von 1995, sowie eine spezielle Mailorder-CD, ist ihr aktuelles Album "Sun In Mind" von 2002 bei uns gar nicht mehr herausgekommen. Sehr schade.

Geography gefällt mir aus dieser Reihe von guten Alben am besten. Den Titelsong "Can Two Worlds Collide" haben wir lange mit W4L gespielt und auch aufgenommen. Vor einiger Zeit ist Sonya höchstpersönlich auf unsere Coverversion aufmerksam geworden (Hier nachzulesen).

Morphine: "Cure For Pain" (Rykodiscs, Sept. 1993)
Ein wirklich grossartiges Album der frühen 90er, das ich fast vergessen hatte! Zwar war das Trio schon wegen der Besetzung - ein Sänger mit zweisaitigem Slide-Bass (!), ein Baritonsaxofonist und ein Schlagzeuger - etwas Besonderes in Rockmusikkreisen, aber eigentlich ist das wegen der guten Songs ein gutes Album, das mir auch mit "normalem" Bass und der "üblichen" Gitarre gut gefallen hätte. Nur ohne das Baritonsaxofon würde der Musik wohl etwas Essentielles fehlen. Oder dann, wenn der Drummer sein Instrument nur mittelprächtig beherrschen würde.
Wiederentdeckt habe ich die Band um den leider viel zu früh verstorbenen Sänger & Songschreiiber Mark Sandman durch ein anderes Trio, bei dem dieses ungetüme Saxofon eine fast genauso wichtige Rolle spielt: Menomena aus Portland, Oregon.
(01.04.2010)
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Laura Nyro: "Walk The Dog & Light The Light" (Columbia, Sept. 1993)
Nach langer Pause ("Mother's Spiritual" war von 1984) mal wieder ein Studioalbum der Ausnahmesängerin, -songschreiberin und - pianistin aus New York. Leider war die große Zeit vorbei (Laura schrieb als Teenager in den späten 60ern Hits für Rock-, Pop- und Soulgrößen).
Uncle Tupelo: "Anodyne" (Reprise/Sire, Sept. 1993)
Was für ein schlechtes Timing! Gerade vom Trio zum Quintett angewachsen und bei einer großen Plattenfirma untergekommen - und schon löst sich die Band wieder auf. Eine schöne Platte, wenn auch deutlich wird, dass jeder der beiden Sänger/Songschreiber (Jay Farrar und Jeff Tweedy) sein eigenes Bandvehikel braucht. Uncle Tupelo ohne Farrar wurden zu Wilco, jener reaktivierte den alten Uncle Tupelo-Drummer Max Heidorn und gründete Son Volt. Interessant ist die Diskussion der inzwischen ganz ordentlich angewachsenen "No Depression"-Gemeinde: sind Wilco oder Son Volt die besseren Uncle Tupelo?
Paul Weller: "Wild Wood" (Go! Discs, Sept. 1993)
Mit seinem zweiten Soloalbum knüpft der ehemalige Bandleader von The Jam und Style Council nahtlos an sein letzt jähriges Solodebüt an. Natürlich sind das durchweg klasse Songs, aber ich mag vor allem diese Früh70er-Klangatmosphäre, die stark von den altmodischen Analogsounds geprägt wird: Sax/Querflöte von Jacko Peake (auf Flötengedudel stehe ich sonst eigentlich überhaupt nicht - höchstens Namensvetter Herbie Mann in guten Momenten: Ian Anderson: Eat Your heart Out!), Tasteninstrumente (Flügel, Hammond B3, Mellotron, Mini-Moog und Wurlitzer-Piano) teilweise vom Meister selber gespielt, aber auch mal vom alten Kumpel Mick Talbot aus vergangenen Style Council-Zeiten. Und dann natürlich die geschmackvolle Gitarrenarbeit (elektrisch und oft akustisch) von Paul. Am Schlagzeug sitzt, wie immer seit Style Council-Zeiten, Steve White. Da gibt's für Paul wohl nix anderes.
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The Williams Brothers: "Harmony Hotel" (Warner, Sept. 1993)
Der Titel ist Programm: die große Stärke von Andrew und David Williams ist natürlich ihr zweistimmiger Gesang, den sie auch schon auf vielen Platten anderer Künstler eingebracht haben, etwa auf T-Bone Burnett's "Proof Through The Night" oder "Musings Of A Creekdripper" von Victoria Williams. Ob Mrs. Williams mit den Jungs verwandt ist, weiß ich leider nicht. Auf jeden Fall sind die beiden Neffen des Sängers Andy Williams (aus der Paul Anka und Perry Como-Liga).
Bei der glasklaren, weitestgehend akustischen Produktion wurden die Brüder u.a. von Marvin Etzioni (Gitarre & Mandoline, ex-Lone Justice-Bassist), Kenny Edwards (Bass, Ex-Bryndle, Ex-Linda Ronstadt, etc.) und Greg Leisz (steel) unterstützt. Neben ausgezeichneten eigenem Songmaterial (meist zusammen mit Etzioni geschrieben) gibt es auch "Broken Things" von Julie Miller, das diese erst 1999 auf ihrem gleichnamigen Album selber veröffentlichte.
The Afghan Whigs: "Gentlemen" (Elektra/Sub Pop, Okt. 1993)
Ein Meisterwerk! Grunge mit Hirn? Soul/Metal-Fusion? Egal. Reinhören. Ihr werdet begeistert sein - und wehe nicht!
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The Counting Crows: "August And Everything After" (Geffen, Okt. 1993)
Klasse Debüt mit dem Smash-Hit "Mr. Jones". Es ist vielleicht nicht cool, diese Kapelle zu mögen, aber ich tu es. Auch wenn sie danach nie mehr ähnlich erfolgreich (und gut) waren.
Crowded House: "Together Alone" (Capitol, Okt. 1993)
Ich muss zugeben, dass ich diese Band erst relativ spät für mich entdeckt habe. Eigentlich erst durch eine Wiederholung ihres "legendären" (?) Fernsehauftritts bei MTV-Unplugged von 1991, der Mitte der 90er über meinen Fernseher flimmerte. Dann hab ich mir das Hitalbum "Woodface" und ca. 2003 oder 2004 auch dieses letzte Album vor der Bandauflösung (1995) gekauft, das aber trotzdem von mir nicht richtig wahrgenommen wurde. Es fehlten die offensichtlichen Hits, alles ist viel ruhiger und ernster gehalten.
Inzwischen würde ich mich ja sogar als Fan der Band bezeichnen: wie spielen mit W4L sogar zwei Lieder der Band, so ziemlich das "Modernste", was wir im Programm haben. Nach einigen Neil Finn-Soloalben, Tim-Finn-Soloalben und dem Finn Brothers Duo-Album von "Everyone Is Here" von 2004 (mit tollem Livekonzert in der Kölner Live-Music-Hall) erschien im Frühjahr 2007 das wunderschöne Comebackalbum "Time On Earth". Letzte Woche habe ich die Band schließlich erstmals live gesehen (wiederum in der Kölner Live-Music-Hall) und anschließend festgestellt, dass sich auf "Together Alone" ein paar ganz tolle Lieder befinden (z.B. "Private Universe" und "Distant Sun").
(22.10.2007)
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Hawkwind: "It Is The Business Of The Future To Be Dangerous" (Essential, Okt. 1993)
Durch Zufall habe ich meine alten Helden wiederentdeckt! 11 brandneue Titel, aufgenommen in Hawkwind's eigenem Studio. Das Album bringt ihre bisher am stärksten "psychedelische" Musik, sogar ein Coverversion vom Rolling Stones-Klassiker "Gimme Shelter." Die Band ist über die Jahre zum Trio geschrumpft: neben Bandgründer Dave Brock spielen Bassist Alan Davey und Trommler Richard Chadwick. Live konnte ich mich dann auch von der Qualität dieser Besetzung überzeugen: ein gewaltiger Sound, bei dem Brock und Davey beide intensiv Keyboards und Elektronik einsetzten, was ich sonst eigentlich gar nicht so sehr mag, aber hier - genial!!!
Mazzy Star: "So Tonight That I Might See" (Capitol, Okt. 1993)
Das Album von David Roback und Hope Sandoval mit dem Hit "Fade Into You". Letzte Woche habe ich an zwei Tagen gleich zwei Fernsehfilme gesehen, in denen dieses - zugegebenermaßen wunderschöne - Lied verwendet wurde. Sogar auf der neuen Doppel-CD von Nena (mit lauter Coverversionen) ist dieses offensichtlich auch Zielgruppen überschreitende Lied zu finden!
(24.10.2007)
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Tindersticks (Quicksilver/This Way Up, Okt. 1993)
Ein grandioser Debüt! Kann man eigentlich mit nichts anderem vergleichen. Vielleicht eine Kreuzung aus Tim Buckley und Al Green?
The Velvet Underground: "Live MCMXCIII" (Sire, Okt. 1993)
Lost & Found!
(13.09.2015)
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Yo La Tengo: "Painful" (City Slang, Okt. 1993)
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"Conmemorativo: A Tribute to Gram Parsons" (Polydor/Cyclope, Okt. 1993)
mehr Gram Parson Tributes gibt's hier!
Jann Arden: "Time For Mercy" (A&M, Nov. 1993)
Die kanadische Sängerin & Songschreiberin hat mit dieser Platte für kurze Zeit auch bei uns in Europa ein bisschen Aufmerksamkeit erlangen können, was diese schöne Platte absolut verdient. Im Frühjahr/Sommer 1994 startete Labelkollegin Cheryl Crow durch und es blieb wohl seitens der Plattenfirma kein langer Atem für diese Platte. Nicht dass Mrs. Crows Erfolg unverdient wäre (ich liebe den "Tuesday Night Music Club"), aber Jann Arden hätte ein größeres Stück vom Kuchen verdient gehabt...
Ach ja - am Schlagzeug der Beste mit dabei: Jim Keltner.
"Die Braut Haut Ins Auge" (Ariola/RCA, Nov. 1993)
Der Bandname des Jahres/Jahrzehnts. 5 Mädelz aus Hamburg erobern die deutsche Popwelt im Sturm. Sängerin/Gitarristin Bernardette Hengst (welcher Name!), Ex-Gattin von Bernd Begemann (das musste hier mal gesagt werden!) hat die perfekte Mischung aus Charme/Arroganz bzw. Unschuld/Femme Fatale drauf.. Nachdem ich die Band mal bei uns im Voerder "Rolling Stone" in Enterprise-Anzügen gesehen und gehört habe, bin ich hin und weg: besser als die Bangles. Und die waren schon klasse (konnte ich auch live feststellen).
"The Setters" (Blue Million Miles/Watermelon, Nov. 1993)
Die Setters, genauso wie die OKra All-Stars, waren keine "echte Band", sondern ein zeitlich befristetes Projekt von drei damals in Austin/Texas beheimateten Solokünstlern. Alejandro Escovedo spielte mal bei den True Believers, Walter Salas-Humara war eigentlich Chef der Silos, Michael Hall spielte mal bei den Wild Seeds. Wir hören erstklassiges Songmaterial von allen dreien, wobei mir besonders gut das Escovedo-Stück "It's Hard" gefällt, dass es schon mal in einer nicht ganz so tollen Rohversion unter dem Namen "Wild-Eyed And Wound Up" auf dem zweiten True Believers-Album von 1987 gab. Gut rüber auf Platte (und auch live !) kommt das Iggy Pop & The Stooges-Cover "I Wanna Be Your Dog". Produziert hat übrigens der damalige Lucinda Williams-Gitarrist Gurf Morlix.
The Walkabouts: "Satisfied Mind" (Glitterhouse/Sub Pop, Nov. 1993)
"Zwischendurch" bringen die Walkabouts immer wieder Cover-Alben heraus und machen deutlich, dass bekannte Musiker auch nur Fans sind. Ihre Adaptionen zeigen, dass sie Geschmack haben und auch in der Lage sind, den Vorlagen großer Songschreiber neue Facetten hinzu zufügen. Wir hören u.a.: "Feel Like Going Home" (Charly Rich), "Loom Of The Land" (Nick Cave), "River People" (Robert Forster), "Polly" (Gene Clark), "Buffalo Ballet" (John Cale) und "Free Money" (Patti Smith).
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The Cruel Sea: "The Honeymoon Is Over" (Polydor/Red Eye, Dez. 1993)
Beast Of Bourbon-Sänger Tex Perkins zusammen mit Australiens bester Instrumentalband: eine wunderbare Kombination!
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Mark Lanegan: "Whiskey For The Holy Ghost" (Sub Pop, Dez. 1993)
Zweites Soloalbum des Screaming Trees-Sängers, wieder in Zusammenarbeit mit dem Multiinstrumentalsten Mike Johnson.
(01.07.2008)
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"The OKra All-Stars" (Normal/OKra, Dez. 1993)
In den späten 80ern/frühen 90ern hatte das Bonner Label Normal mal eine richtig gute Phase. Neben eigenen Veröffentlichungen (z.B. dem 10,000 Maniacs-Debüt, den Kastrierten Philosophen, der "Return To Sender"-Reihe u.a.) hatten sie wirklich angesagte Labels lizenziert, wobei neben diversen australischen und dem berühmten "Flying Nun"-Label aus Neuseeland (The Chills, Verlaines, Sneaky Feelings, The Clean) auch das OKra-Label aus Columbus/Ohio dabei war, das sich im Grenzbereich zwischen Rock und Country bewegte. Man konnte damals fast ungehört alle Okra- und Flying Nun-Veröffentlichungen kaufen (ähnliche Situation wie bei Island ca. 1969/70!). Zu den OKra-Bands gehörten The Schramms (Rock), Fellow Travellers (Country-Reggae), Ass Ponys (Rock) und Cordelia's Dad (Folkrock) und "Country"-Sänger wie Ricky Barnes und Hank McCoy. Zwei der Bandleader (Dave Schramm, Ex-Yo La Tengo und jetzt natürlich bei den Schramms, und Jeb Loy Nichols von den Fellow Travellers taten sich mit den Solisten Hank McCoy und Ricky Barnes für das Tour&Platte-Projekt "OKra All-Stars" zusammen. Es entstand eine sehr entspannte Country-Platte ohne Cowboyhut-Getue, mit guten eigenen Songs (meist von J.L. Nichols), guten Versionen von Country-Klassikern (z.B. "One Of These Days" von Earl Montgomery und "Wild And Blue" von John Scott Sherill) und als Höhepunkt eine Country-Version vom "Purple Rain" des Prinzen. Genial! Die ganze OKra-Chose war leider etwas zu früh dran: ein paar Jährchen später hätte man das ganze natürlich als "ALT-COUNTRY" bezeichnet.
Linda Ronstadt: "Winter Light" (Elektra, Dez. 1993)
Nach einer ganzen Reihe von Bigband-Platten (mit dem Nelson Riddle Orchester) und mexikanischer Alben auf spanisch, die für mich bis heut unzugänglich sind, hat die Lady ENDLICH mal wieder eine Platte mit SONGS herausgebracht - und schon passt es wieder: Material von den McGarrigle-Schwestern, 2x Burt Bacharach, 2x Jimmy Webb, Tish Hinjosa und sogar Emmylou Harris. Und sogar ein eigener Song!
"Heidi Berry" (4AD, 1993)
Dies ist das dritte Album der Sängerin, die zwar aus den USA stammt, aber in England aufgewachsen ist. Die Musik liegt irgendwo zwischen typischem 4AD-Sound im Stile von This Mortal Coil, auf bei deren dritten Album "Blood" sie auch beteiligt war, und ihren Folk-Wurzeln, die eher in Richtung Sandy Denny und Nick Drake gehen.
(16.10.2016)
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Terry Lee Hale: "Oh What A World" (Normal, 1993)
Debütalbum des Singer/Songwriters aus Seattle mit dem Hang zu ungewöhnlichen Gitarrenstimmungen bei einem meiner Lieblinxlabel aus heimischen Landen.
(24.11.2013)
Joe Henry: "Kindness Of The World" (Mammoth, 1993)
Einer der vielen unterbewerteten US-Singer/Songwriter mit seinem vierten (?) Album. Während die ersten beiden Alben bei A&M erschienen und stärker rock- und jazzorientiert waren (produziert von Anton Fier (Golden Palominos) bzw. T-Bone Burnett und mit musikalischer Unterstützung u. a. von Mick Taylor (Stones) und Jazztrompeter Don Cherry), holte er sich für das dritte Album bereits die kompletten Jayhawks in's Studio, mit denen er einen stärker Country- bzw. besser gesagt "Americana"-orientierten Sound produzierte. Auch auf "Kindness..." waren Gary Louris und Marc Perlman von den Jayhawks, sowie der erstklassige Saiten Multiinstrumentalist Mike Russell dabei (mit dem der andere Jayhawk Mark Olson inzwischen fest zusammenspielt). Allen diesen Alben ist der erstklassige Songmaterial von Henry gemein. "Kindness.." ist zufälligerweise das Album, welches ich als erstes kennen gelernt habe und das auch auf einer Deutschlandtournee (leider ohne die Jayhawks, aber mit einem tollen Pedalsteeler) präsentiert wurde. Inzwischen hat sich Henry wieder anderen Genres zugewandt (soweit ich weiß: stärker in Richtung Elektronik). Insgesamt muss man sicherlich sagen, dass er einer der Songwriter mit dem breitesten stilistischen Spektrum ist - und ohne dabei die persönliche Handschrift zu verlieren. So was kann nicht jeder.
The Posies: "Frosting On The Beater" (Geffen, 1993)

Die Posies waren die beiden Sänger/Gitarristen Jon Auer und Ken Stringfellow mit wechselnden Rhythmusgruppen und hatten ein Problem: sie kamen aus Seattle und spielten keinen GRUNGE sondern POP! Das brachte zwar genauso wie bei Nirvana einen Vertrag bei Geffen, aber leider keinen großen Erfolg.
Ihre Vorbilder waren eben nicht Black Sabbath, sondern eher die Beatles und Big Star, mit deren Urmitgliedern Alex Chilton und Jody Stephens sie sogar Ende 93 ein kleines Big Star Live-Comeback raushauten. Beide sind auch auf dem Klassealbum "You Got To Sin To Get Saved" von Maria McKee zu hören. Inzwischen sind die Posies Geschichte, Ken Stringfellow verdient sich ein bisschen was dazu als Livegitarrist von R.E.M.

Cassandra Wilson: "Blue Light ´Til Dawn" (Blue Note, 1993)
Auf diesem Blue Note Album verband sie ihre für schwarze Jazzer ungewohnte (?) Vorliebe zu weißen Singer/Songwritern und die Bluesmusik ihre Heimat (Mississippi-Delta) mit ihrer Jazz-Ästhetik - und das vor allem im akustischen Gewand. Coverversionen von: Robert Johnson ("Come On In My Kitchen" und "Hellhound On My Trail"), Ann Peebles ("I Can´t Stand The Rain"), Van Morrison ("Tupelo Honey") und Joni Mitchell ("Black Crow").
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Erstellt: 01.11.2002 Letzte Aktualisierung: 13.02.2017 20:41 26580 Besucher seit dem 01.12.2002
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