| Maya Hawke: "Maitreya Corso" (Mom & Pop, Mai 2026) |
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| Souled American: "Sanctions" (Jealous Butcher, April 2026) |
Als ich im Frühjahr erfahren habe, dass es nach 30 (!) Jahren ein neues Souled American Album gibt, da war ich voller Vorfreude und habe sofort bestellt. Nach mehreren Wochen kam leider die Antwort: "Artikel nicht mehr lieferbar". Dann habe ich mir stattdessen die CD-Version bestellt, zum Glück auch nur halb so teuer. Diese CD ist jetzt nach vielen weiteren Wochen endlich bei mir eingetroffen und ich habe sie vor dem Einschlafen sofort in den CD-Player geschoben. Was ich da höre, gefällt mir leider nicht besonders: da muss ich wohl noch mal ran, denn nicht jedes Album überzeugt beim ersten Hören. Also bitte noch etwas warten bis zu meiner endgültigen Meinung.
Witzigerweise hat mein Hoflieferant jetzt doch die Vinylausgabe auf Lager, aber vielleicht ist das ja gut, dass ich doch nicht so viel für einen möglichen Fehlkauf ausgegeben habe. Ich bleibe am Ball ...
(2026-06-24) OK, gerade läuft der zweite Hörversuch - und ich bin deutlich aufnahmebereiter dem gegenüber, was da aus meinen PC-Lautsprechern kommt. Die alte Magie ist schon da bei dem, was die inzwischen auf zwei Musiker reduzierte Band da spielt. Leadgitarrist (oder Bassist? Die Informationslage ist wie immer bei der Band etwas unklar) Scott Tuma fehlt, ich kann aber nicht beurteilen, welche Relevanz das hat. Ein wenig anstrengend finde ich manche instrumentalen Einlagen, vor allem von der Bassgitarre, wo ich nicht erkennen kann, ob das gewollte Kunst, hingenommene Schlampigkeit oder sogar technische Unfähigkeit bzw. Dilletantismus ist. Vorwürfe, die normalerweise nur Freejazzern zu hören bekommen von Aussenstehenden oder rein auf musikalisches Handwerk fixierten Ignoranten. Ich kann in Hinblick auf Souled American nur sagen: diese Musik ist spannend, aber als Hintergrundkulisse völlig ungeeignet. Ist das jetzt ein Fehlkauf? Ich weiß es noch nicht. Auf jeden Fall dann besser eine CD als eine teure Platte. (2026-06-25) |
| The Loft: "Badges" (Tapete, Mai 2026) |
Knapp ein Jahr nach dem "Debüt" dieser 80er-Legende kommt total überraschend bereits Album #2 mit zehn neuen, frischen Liedern! Knackig wegproduziert, zwei meist unverzerrte E-Gitarren, Bass, Drums und Pete Astors unverwechselbare Stimme. Der Vorgänger landete völlig überraschend auf Platz 7 meiner Jahrescharts 2025, geschuldet den tollen Songs. Ob sich das mit "Badges" wiederholen kann? We will see ...
(2026-06-25)
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| Simon Joyner: "Tough Love" (BB*Island, Mai 2026) |
Wow - Simon Joyner bringt auf seine eigene Art Lou Reed und Leonard Cohen zusammen - in letzter Zeit habe ich selten so gute Songtexte mitgelesen, so wunderschön gesungen von einem "Nichtsänger" und so schön dilletantisch-geniale Musik dazu gehört! Und das alles in 13 unglaublichen Liedern auf fast 80 Minuten! Zum Schluß des randvollen Doppelalbums kommt der beeindruckende, 20minütige, perfekt auf eine Albumseite passende Titelsong "Tough Love" über Simon Joyner und seinen verstorbenen Sohn, den ich hier nicht mit profanen Worten beschreiben möchte. Selber hören und eintauchen in die Geschichte.
(2026-06-19)
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| Ed O'Brien: "Blue Morpho" (Transgressive, Mai 2026) |
Ich kenne Ed O'Brien natürlich von Radiohead, wo er als einer von drei (!) Gitarristen neben Jonny Greenwood und Sänger Thom Yorke aber ein wenig "untergeht", besser gesagt, sich im hintergrund hält. Als Solokünstler habe ich ihn erstmals vov vielen Jahren im Neil Finn Soundtrack/Livealbum "Seven Worlds Collide" mit eigener Musik wahrgenommen, wenn ich mich da richtig erinnere. Die Platte ist gestern endlich bei mir eingetroffen, wenn ich sie dann endlich gehört haben werde - ich bin sehr zuversichtlich, dass sie mir gefallen wird - kann ich auch was zur Musik schreiben. Sicher nicht so tiefgehend wie mein Freind Heino Walter, weshalb ihr euch dort vielleicht schon mal "einlesen" solltet.
(2026-06-16)
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| Kevin Morby: "Little White Open" (Dead Oceans, Mai 2026) |
Ein neues Album von Kevin Morby, 13 Lieder in knapp unter 60 Minuten auf vier Plattenseiten, wo ich mir schon vor dem ersten Hören sicher war, das es mir gefallen würde und ich deshalb gegen meine Regel "nichts über 30 Oiro auf Vinyl kaufen" verstossen habe - okay, vielleicht sage ich hier jetzt einfach, dass diese Regel nicht für Doppelalben gilt! Der erste Höreindruck bestätigt meine Entscheidung und ich stehen jetzt nicht vor dem Dilemma, das ich letztes Jahr bei Richard Thompson hatte und weshalb ich in dem Fall jetzt CD und Platte im Regal habe.
Aber zurück zur Musik: gute Songs, gute Texte (alle irgendwie zum Thema Hassliebe zum Mittelwesten der USA), gute Produktion von Aaron Dessner (The National), der auch den Großteil der Instrumente spielt. Es klingt nicht nach The National, deren "Indie-Stadion-Rock" ich sehr mag, sondern nur nach Kevin Morby, denn um den geht es ja. Ein paar schöne, dezente Gastauftritte sind dabei, etwa Lucinda Williams und Justin Vernon (Bon Iver). (2026-06-11)
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| Todd Thibaud: "Alchemy" (Blue Rose, Mai 2026) |
Todd Thibaud ist irgendwie ein alter Bekannter, den ich mehrfach in Wesel als Solokünstler, mit Band oder als Teil von Duos wie Parsons and Thibaud oder Projekten wie Water And Sand und Hardpan live gesehen habe. Das neue Album habe ich erst kürzlich wahrgenommen durch ein mir von YouTube vorgeschlagenes Konzert der Band von der aktuellen Deutschland Tournee. Ich bin zwar kein wirklicher Kenner seines Werkes (drei, vier Platten von ihm oder mit ihm habe ich im Regal), aber es ist eine Spur elektrischer geraten als das, was ich bisher von ihm kannte. Kaum Akustikgitarren, mehr Power-Pop mit gleich drei E-Gitarren. Auch live war das so, obwohl zu sehen ist, dass Todd seine E-Gitarre nicht anders spielt als bisher seine Akustische. Alles vielleicht ein wenig vorhersehbar bei den Akkorden und den Melodien, aber eigentlich doch immer schön. Also vielleicht doch gute, zeitlose Musik? Tom Petty und Big Star lassen grüßen. Ach ja - die Platten passt wegen des Covermotivs auch auf meine Rickenbacker-Seite, wenn auch etwas versteckt in Kombination mit Schmetterling und den Händen mit dem Papierschwan (?). Ich bin mir auch noch unschlüssig, ob ich das Coverdesign mag.
(2026-06-04)
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| Alela Diane: "Who's Keeping Time?" (Loose, Mai 2026) |
11 Lieder in 40 Minuten von einer meiner liebsten Singer/Songwriter-Ladies aus den USA in den letzten zwei Jahrzehnten. Gefühlt war es etwas ruhig geworden um sie, aber das neue Album knüpft für mich beim ersten Höreindruck nahtlos an ihr Frühwerk an, etwa "Pirate Gospel" von 2006 oder "To Be Still", immerhin von 2009. Die Basictracks wurden mit zwei Gitarren (oder wahlweise einer Gitarre und einem Piano), Kontrabass und Schlagwerk in ihrem Heimstudio in Portland aufgenommen, dazu kamen ein paar geschmackvolle Overdubs von Musikern aus dem Umfeld von Michael Hurley.
(2026-06-03)
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| Hiss Golden Messenger: "I'm People" (Chrysalis, Mai 2026) |
Hat da jemand "Ausverkauf" gerufen? Auch M.C. Taylor jetzt bei einer großen Plattenfirma? Das muss man ein wenig relativieren, denn Chrysalis waren zwar mal in den 70ern und 80ern einer von zahlreichen kleinen bis mittelgroßen Karpfen im Majorteich, aber wohl nie ganz vorne dran mit ihren Künstlern. Ich erinnere mich, ohne jetzt groß zu googeln, an Jethro Tull, Ten Years After, Procol Harum und Ian Hunter in dem 70ern, die Waterboys in den 80ern und die Blue Aeroplanes in den 90ern. Damals gehörte Chrysalis aber schon (oder schon die ganze Zeit?) zu Mutter EMI. Und ging wohl auch mit der Mutter irgendwann unter. Soweit ich das weiß, ist die Marke "Chrysalis" dann in der "Neuzeit" wiederbelebt worden, aber nicht von einem Major, sondern von Leuten aus der Branche, die mir namentlich aber nicht bekannt sind. An neuen Künstlern fallen mir gerade auch nur Laura Marling und der Tribute-Sampler zu Nick Drake vor ein paar Jahren ein. Alles nichts, womit sich "echte Majors" wie Universal, Warner oder Sony ernsthaft beschäftigen.
Aber zurück zu M.C. Taylor und seine Band bzw. seinem "Projekt" Hiss Golden Messenger, in dem er die einzige personelle Konstante ist: gleichbleibend hohe Qualität der Songs von ihm und eine sehr gute, transparente Produktion von Josh Kaufman, der ja schon für so einige der Highlights in meiner Plattensammlung in den letzten Jahren zuständig war, vor allem Bonny Light Horseman. Von vielen Josh-Kaufman Produktionen her kenne ich auch die Backingband dieses Albums: Josh Kaufman selbst an diversen Gitarre und Keyboards, JT Bates am Schlagzeug und Cameron Ralston am Bass. Vielleicht ist es ein kleines Indiz dafür, dass Hiss Golden Messenger jetzt doch in der Major-League angekommen sind: ein paar mehr oder weniger bekannte Namen tauchen in der Gästeliste auf, meistens als Chorsänger: Taylor und Griffin Goldsmith (Dawes), Sam Beam (Iron & Wine), Bruce Hornsby, Amy Helm, Eric D. Johnson (Fruit Bats, Bonny Light Horseman), Marcus King und Sara Watkins (Nickel Creek). Bei einigen von ihnen weiß ich, dass sie ebenfalls Produktionskunden von Josh Kaufman sind. Was aber letztendlich zählt, ist die Musik, in der die Stimme und die Songs von M.C. Taylor klar im Mittelpunkt stehen. Bereits beim ersten Hören wird mir klar, dass der hohe Standard und auch meine Einschätzung davon im Vorfeld genau wie in den Jahren zuvor ist. Ob das neue Album jetzt nur dieses Niveau hält oder sogar noch übertrifft kann ich so früh im Jahr aber noch nicht sagen. Ach ja, fast schon vergessen: meine Vinylausgabe (von knapp unter 30 Oiro!) kommt mit einer Bonus 7" mit zwei Coversongs von CCR und dem Sir Douglas Quintet. Doug Sahms Tex-Mex Song "Dynamite Woman" kannte ich nicht und gefällt mir sehr. "Bad Moon Rising" ist auch gut gemacht, aber dann doch etwas langweilig, weil man das Lied ja in und auswendig kennt. Beide Lieder mit prominenter Geige, wahrscheinlich gespielt von Sara Watkins, die zwar in der "Thank You" Liste vom Album auftaucht, aber nicht in den ausführlichen Besetzungslisten des Albums. Insgesamt ein passender und schöner Bonus zum Album. Gesamturteil: Gut und (fast schon wieder) günstig! (2026-05-10)
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| Jakob Dobers: "Signale" (Staatsakt, Mai 2026) |
Es gibt da diese Melancholie eines alten Mannes in meinen Texten für Waiting For Louise, der zurückdenkt und nicht mehr so sehr über die Zukunft nachdenkt, höchstens die Gegenwart spöttisch oder sakastisch kommentiert. Das kommt automatisch und ist oft garnicht das, was ich singen möchte, aber wohl singen muss. Jakob Dobers, einigen Wenigen vom Projekt "Sorry Gilberto" bekannt, macht das auch, nur noch viel klarer und vielleicht auch besser als ich. Beim Lesen seiner Songtexte denke ich immer wieder: genauso ist es, wieso hab ich das nicht so wahrgenommen und so großartig formuliert? Ich bin auf eine stille Art begeistert. Die Musik dazu? Etwas Gitarre, Bass und Schlagzeug, offensichtlich aus den Basic Tracks stammend. Dazu ein paar Overdubs mit Keyboards, Rhythmusmaschine und einigen wenigen weiteren Gitarrenspuren. Total unspektakulär das Ganze, aber genau passend und manchmal sogar wunderschön. Ein Klassealbum aus dem Hause Staatsakt!
(2026-04-30)
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| Tedeschi Trucks Band: "Future Soul" (Universal/Fantasy, März 2026) |
Bevor ich zur Musik komme erst einmal wieder der Hinweis auf das Format: Das Einfach-Vinyl für deutlich über 40 (!) Oiro, die CD (im netten Pappcover!) für knapp unter 20 Oiro. Ich habe lange überlegt und mich dann (mal wieder nur) für die billigere Version entschieden.
Die Musik ist, so wie immer bei dieser tollen Truppe, großartig. Anders als in den Veröffentlichungen davor wird auf ausgedehnte Improvisationen verzichten: also keine Showstücke für die Genialität des Ausnahmegitarristen Derek Trucks. Das zeigt mir zweierlei: die Band kann auch das kurze, songorientierte Format und ist nicht nur Jamband. Also eine gute Platte mit guten Songs und sehr gutem Gesang. Für das Geniale - und vielleicht auch für die Möglichkeit, meine Platte des Jahres zu werden - fehlen mir dann aber doch die großen Slide-Exkursionen. Aber es gibt ja viele tolle Live-Videos im Netz, um so etwas zu genießen! Noch ein paar Anmerkungen zum Cover: das sieht ein wenig aus wie eines der vielen KI-generierten Bilder, die in letzter Zeit häufig im Netzt zu finden sind, soll aber wohl doch ein "echtes Gemälde" sein. Ein Fall für meine Seite "Ugly Covers"? Möglicherweise. Auf jeden Fall wegen Dereks Gitarre etwas für die Gibson SG-Seite. Susans Telecaster ist leider nicht gut genug erkennbar. Dort gibt es aber schon ein Cover von einem ihrer Soloalben zui bewundern! (2026-04-26)
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| Flea: "Honora" (Warner/Nonesuch, März 2026) |
Diese Platte ist anscheind die größte Überraschung im Veröffentlichungsfrühjahr 2026: der Bassist der Chilli Peppers macht eine Jazzplatte und spielt Trompete! Auch ich habe reingehört und bin trotz der anscheind unmöglichen Kombination an Zutaten angenehm überrascht: tolle Gastauftritte von Sängern wie Nick Cave und Thom Yorke und eine tolle Band mit angesagten Jazzern wie Gitarrist Jeff Parker und Saxofonist Josh Johnson. Die größte Überraschung ist aber das ausgezeichnete Spiel von Flea selber auf der Trompete! Gute Platte, leider nur auf CD geordert, weil das Vinyl satte 42€ kosten sollte. Das ist nicht teuer, sondern sogar unverschämt - und leider fast schon der Standard bei großen Plattenfirmen.
(2026-04-30)
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| Courtney Barnett: "Creature Of Habit" (Virgin/Fiction/Mom+Pop, März 2026) |
Ich liebe die Musik der Australierin schon seit vielen Jahren, also seit ihrem Debütalbum "A Sea Of Split Peas", das ja nur eine Zusammenstellung von zwei bei uns nicht erhältlichen EPs war. Was als obskurer Schrammelgitarrenpop begann, das ist das eigentlich immer noch - nur dass sie jetzt in in L.A. angekommen ist und ihren lakonischen Gesang und ihr typisches und wiedererkennbares Gitarrenspiel mit so bekannten und angesagten Kollegen wie Singer/Songwriterin Katie Crutchfield (besser bekannt als Waxahatchee), Keyboarder und Produzent Samuel Shepherd (besser bekannt als Floating Point) und dem Chili-Pepper-Bassisten (und Landsmann!) Flea aufnimmt und von der popkulturellen Öffentlichkeit mehr denn je wahrgenommen und auch geschätzt wird. Wichtigste Kollaborateurin von Courtney Barnett neben Produzent John Congleton ist übrigenz, wie auf den Alben zuvor, die ebenfalls aus Australien stammende Schlagzeugerin Stella Mozgawa, dem einen oder anderen vielleicht von der Band Warpaint bekannt, die über ihr Hauptinstrument hinaus auch Bass und Keyboards spielt und in den Songwriting- und Produktionscredits aufgeführt wird. Bestes Courtney Barnett-Album bislang? Möglicherweise nicht, aber trotzdem ganz ausgezeichnet!
(2026-04-05)
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| The Monochrome Set: "Lotus Bridge" (Tapete, März 2026) |
Ein Geheimtipp aus der Punk/New Wave-Zeit der frühen 80er, den ich erst relativ spät für mich entdeckt habe. Seit den 2010er-Jahren hat die Band auf dem Hamburger Tapete-Label erstaunlich viele Alben veröffentlicht, fast schon im Jahres-Rhythmus. Wie ich in meiner Plattensammlung feststelle ist aber mein bislang letztes Album von 2019, "Fabula Mendax", und "Lotus Bridge" kam jetzt doch etwas überraschend für mich, ist aber wieder gelungen. Die Band klingt vor allem wegen dem Gesang und der Rhythmusgitarre von Bandleader/Songschreiber Bid eigentlich immer gleich - aber eben immer gleich gut und interessant. Gute Songtexte, schöne Schrammelgitarren.
(2026-04-05)
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| The Delines: "The Set Up" (Decor/el Cortez, März 2026) |
Wie konnte ich diese tolle Band nur all die Jahre übersehen? Erst vor kurzem hat mir der YouTube Algoritmus einen Auftritt der Band beim wunderbaren Sender KEXP nähergebracht - und jetzt bin ich begeistert. Mastermind der Band ist der zurückhaltend agierende Gitarrist Willy Vlautin, der alle Songs schreibt und vor einigen Jahren mal Sänger, Gitarrist und (natürlich auch) Songschreiber der ebenfalls großartigen Band Richmond Fontaine war. Bei den Delines ist auch die alte Rhythmusgruppen jener Band dabei, was die "neue" Band aber noch großartiger macht, das sind der Gesang von Amy Boone und das Trompeten- und Keyboardspiel von Cory Gray.
(2026-04-04)
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| The Notwist: "News From Planet Zombie" (Morr Music, März 2026) |
Diese Band ist etwas Besonderes und Einmaliges, immer sofort erkennbar und trotzdem immer anders - so wie gute Musik eben sein muss. Deshalb steht die Band für mich auf gleicher Ebene wie etwa Stereolab, Tindersticks und Sonic Youth, die auch immer in ihrer eigenen Liga spielen und sich weiterbewegen. Das neue Album der Band um die Brüder und Gründer Micha und Markus Archer hat wieder die große, erweiterte "Familie" um sich versammelt, bei der völlig selbstverständlich E- und A-Gitarren, Elektronik, Streicher, Bläser und ein Vibraphon zu einem großartigen Gesamtklang zusammenfinden. Was dabei vielleicht etwas unterschätzt wird: die Stimme von Markus Archer, eher flüsternd und leise als die von einem "richtigen Sänger": sie hält alles zusammen, ist trotz ihrer Zartheit der wahre Mittelpunkt von "The Notwist".
(2026-03-31)
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| Bonnie 'Prince' Billy: "We Are Together Again" (Domino, März 2026) |
Will Oldham ist ein Phänomen: fast jedes Jahr gibt es ein neues Album mit neuen Liedern, die sich zwar immer irgendwie gleich anhören, aber eigentlich nie langweilig oder beliebig sind, sondern immer gut oder wenigstens interessant sind. In manchen Jahren war mir das immer dann zu wenig, wenn er sich bei der Umsetzung wenig bis keine Mühe gegeben hat. Seit ein paar Jahren hat sich da aber eine gewisse Stringenz entwickelt: es klingt immer noch ein wenig amateurhaft, da werden zum Beispiel nicht ganz perfekte Chorgesänge so belassen wie sie sind, weil es einfach "gefühlsmäßig" passt. Aber es hat immer seinen Charme und seine ganz eigene Eleganz und Wahrhaftigkeit. Der Mann komponiert (immer) und singt (meistens) in seiner ganz eigenen Liga.
(2026-03-14)
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| The Wave Pictures: "Gained/Lost" (Bella Union, Feb. 2026) |
Bei "Gained/Lost" kostete die Vinyl-Ausgabe mit 32 Oiro gegenüber der CD mit 15 Oiro sogar mehr als das Doppelte, also habe ich mich auch hier schwerens Herzens für die günstigere Variante entschieden. Jetzt sitze ich hier mit der leider ziemlich spartanischen, fast billig wirkenden CD und bin unsicher, ob ich mich beim Kauf richtig entschieden habe. Das Cover zitiert immerhin ein anderes berühmtes Plattencover, was ich immer wieder schön finde. Die "Zitat-Vorlage" muss ich hier auch garnicht extra erwähnen: Schaut einfach auf die Seite "Cover The Cover", wo ich einige solcher Huldigungen aufgeführt habe, unter anderem noch ein weiteres Cover von den Wave Pictiures, denn die sind da Wiederholungstäter.
Das erste Hören der Musik hat in Bezug auf meine Kaufentscheidung auch nicht wirklich weitergeholfen - das britische Gitarrentrio spielt in gewohnt hoher Qualität. Und eigentlich sollte die Musik und nicht die Verpackung entscheidend sein, aber wie sagte schon die chinesische Blueslegende Konfuzius: "das Auge hört mit". (2026-03-19)
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| Buck Meek: "The Mirror" (4AD, Feb. 2026) |
Mein Interesse an der Musik von Buck Meek rührt natürlich daher, dass er der Gitarrist von Big Thief ist. Und ähnlich wie bei seiner Hauptband handelt es sich hier um Folkrock, der etwas gegen den Strich gebürstet ist. Auch seine Bandkollegin Adrienne Lenker ist im Chor dabei, während Bandkollege und "hauptberuflicher" Schlagzeuger James Krivchenia hier der Produzent ist und gelegentlich Keyboards spielt. Der Unterschied zu Big Thief? Eigentlich nur, dass Buck Meek hier auch als (fast) alleiniger Songschreiber und als Hauptsänger zu hören ist. Seine Stimme ist zwar etwas dünn, vielleicht sogar gewöhnungsbedürftig, aber das stört mich nicht, weil das hier alles vom Herzen kommt. Sei es auch alles etwas rumpelig und gewöhnungsbedürftig. Solch fragile, kostbare Musik gibt es hetzutagr leider viel zu wenig. Die Namen von Musikern mit Gastauftritten sind auch nur aus einer "nerdigen Sicht" als "große Namen" einzuordnen (die ich natürlich kenne und schätze!): Mary Lattimore an der Harfe, Jolie Holland (Ex-Be Good Tanyas) und Jonathan Wilson zweimal als Schlagzeuger.
(2026-04-04)
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| Iron & Wine: "Hen's Teeth" (Sub Pop, Feb. 2026) |
Mein erstes Album von Sam Beam seit ein paar Jahren, das ich mir gekauft habe - ohne dass mir gerade ein Grund für diese "Diät" einfällt. Auf jeden Fall bin ich bei den "Hühnerzähnen" wieder an Bord, auch wenn mir, wie so oft in letzter Zeit, die Vinylausgabe zu teuer war. Auf jeden Fall ist das hier ein schönes Singer/Songwriter-Album.
(2026-03-31)
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| Bill Callahan: "My Days Of 58" (Drag City, Feb. 2026) |
So wie schon in den letzten Jahren: Bill Callahan auf Doppelvinyl für knapp 40 Oiro waren mir schon bei den letzten beiden Malen, "Ytilaer" von 2022 und kurz danach ein Livealbum, zu viel. Auch "My Days Of 58" hat wieder dieses tolle Pappcover für die CD Ausgabe, was wie bei diesen ein schöner Ersatz ist, doch finde ich das Albumm schon nach dem ersten Hördurchlauf so gut, dass es locker ein Kandidat für meine Jahres-Top-10 ist, was bei mir seit "Dream River" von 2013 nicht mehr passiert ist. Beste Platte des Jahres und nur auf CD ... ich warte mal ab, wie sich das so entwickelt.
(2026-03-01)
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| M. Walking On The Water: "e" (Fuego, Feb. 2026) |
Ein neues Album der besten Band vom linken Niederrhein ist immer eine Freude für mich, auch wenn "e", so der Name des neuen Albums ("e" wie "Esel" und natürlich der fehlende Buchstabe im letzten Album "Lov" von 2021), mein bislang teuerstes Album ist: 40 Oiros plus Versandkosten sind schon eine echte Hausnummer, dafür halte ich aber jetzt die von Markus Maria Jansen unterschriebene Nummer 71 von 300 in der Hand. Die Kosten des Albums sind wahrlich auch deswegen so hoch, weil die Platte in einer spektakulären Fellhülle steckt. Das Fell ist natürlich nicht vom Esel auf dem Cover, sondern sicherlich total vegan. Allerdinx weiß ich jetzt noch nicht so genau, wie ich das Album nach dem Hören bei mir im Plattenregal verstauen soll. Aber das ist natürlich ein spiessiges Detailproblem meinerseits und kann/soll den Junx aus Krefeld völlig egal sein.
Die Musik? Der von den M.'s gewohnte Polkarock auf höchstem Niveau mit durchweg guten, neuen Songs, eingespielt live im Studio (vor Eingeweihten?) in der klassischen Besetzung, die in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder zusammenkommt, um die beiden Sänger und Gründungsmitglieder Markus Maria Jansen und Mike Pelzer. Ich mag das sehr. Und jetzt grüble ich schon wieder, wie ich die Platte später mal wegsortieren soll ... da kann ich wohl nicht raus aus meiner Haut! (2026-02-14) Konzerthighlight: Hanselädchen, Grieth, 23.06.2026
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| Lucinda Williams: "World's Gone Wrong" (Thirty Tigers/Highway 20, Jan. 2026) |
Protestlieder sind nicht unbedingt meine Sache, sei es als Hörer oder als Songschreiber. Da ist immer die Gefahr, dass man etwas kreiert, das keine grosse Haltbarkeit hat und schnell "dated" wirkt. Andererseits ist da ein Bedürfnis nach solchen Liedern, vielleicht nicht um die "Bösen" zu überzeugen, sondern um den "Guten" Trost zu spenden. In den letzten Jahren bin ich als Songschreiber einem tagespolitischen Bezug immer aus dem Weg gegangen. Zwar kommt in meinem Lied "Strange Times" vom letzten W4L-Album "Rain Meditations" ein "yellow faced trickster" vor und jeder wird wissen, wer gemeint ist. Allerdings hatte ich das Lied bereits 2020 geschrieben - und damals kam mir der gelbgesichtige Betrüger noch nicht annähernd so schlimm vor wie in letzter Zeit. Auch auf der neuen W4L-CD wird es ein Lied geben, bei dem ich versucht war, es zu einem Protestlied zu machen, aber im "Elbow Song" habe ich es dann doch bei der Symbolik von "A hard wind is blowing from the cold, cold east, And one is coming from the west" belassen.
Trotzdem finde ich Protestlieder wichtig, die sagen, was Sache ist. Zurück also zu Lucinda Williams: vor wenigen Tagen habe ich auf YouTube ein Video gesehen, in dem Lucinda Williams mit ihrer Band das am selben Tag erschienene neue Album komplett live spielt und über die Lieder spricht - und ich war beeindruckt. Von der Kraft und Spielfreude der Band und besonders von der Stärke von Lucinda, die da tapfer und kraftvoll, trotz eines offensichtlichen gesundheitlichen Handicaps (Schlaganfall?), gegen alles Üble ansingt, aus dem die Welt und besonders die USA im Moment wohl bestehen. Das klang alles so überzeugend, dass ich mir nach längerer Pause mal wieder ein neues Lucinda-Album gegönnt habe. Bevor mich die Platte dann vor wenigen Tagen erreicht hat, habe ich aber leider einige Kritiken gelesen und gehört (auch auf YouTube), wo die Platte schlecht bis mäßig wegkommt und ich war natürlich ein wenig in Sorge, denn auch ich habe tatsächlich ein paar Lucinda-Alben aus den letzten Jahren im Plattenschrank, die ich nicht besonders gut finde. Jetzt läuft das Album bei mir zu hause - und ich finde es große Klasse. Die Band ist auf den Studioversionen genau so gut und kraftvoll wie in der angesprochenen Liveperformance (die Gitarristen Doug Pettibone und Marc Ford, der Hammondspieler Rob Burger, Bassist David Sutton und Trommler Brady Blade), die gelegentlichen Gäste machen einen guten Job, zum Beispiel bei der gelungenen Bob-Marley-Coverversion von "So Much Trouble In The World", wo Mavis Staples Lucinda NICHT an die Wand singt (wie in einer Kritik behauptet wird). Norah Jones unterstützt bei der letzten Nummer "We've Come Too Far To Turn Around" sehr schön am Klavier und mit dezenter, zweiter Stimme. Ein Lied ("Low Life") hat Lucinda zusammen mit den drei Musikern der angesagten Indie-Folk-Band Big Thief komponiert. Allerdings waren Adrienne Lenker, Buck Meek und James Krivchenia im Studio nicht dabei. Das wäre vielleicht schön gewesen, spielt aber eigentlich keine Rolle. Stattdessen ist dort der legendäre Mickey Raphael (von Willie Nelsons Band) mit ein paar schönen Tönen auf der Bluesharp zu hören. Insgesamt eine gute Platte mit Protestliedern, die auf jeden Fall das Potential hat, uns in diesen schlechten Zeiten ein wenig Kraft und Trost zu geben. (2026-02-08)
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(2026-06-24)
OK, ich habe mir die CD gerade angehört und bin ein ganz klein wenig enttäuscht! Maya singt gut, alles ist ansprechend produziert, aber leider auch teilweise etwas zuviel des Guten, jedenfalls für meinen Geschmack. Zwar gibt es auch ein paar Lieder mit einem sparsamen Arrangement in Folknähe, so wie bei dem KEXP Auftritt, aber viel zu oft werden moderne Produktionstechniken verwendet, die ich ja auch garnicht per sé verteufeln will, aber so etwas passt für mich eher zu Rihanna oder Taylor Swift. Ich bin altmodisch und will auf einem Album, dem ich mein Herz öffnen will, kein Autotune (ist vielleicht auch ein Vocoder, keine Ahnung!) und keine programmierten Sounds und Beats hören. Ich hätte vor der Bestellung wohl besser in die Klangbeispiele online reinhören sollen. Außerdem ist das Gange mit knapp 49 Minuten für mich kein "richtiges Doppelalbum", quasi kostet auf Vinyl jede Minute fast einen Oiro! Gesamturteil: es gibt eine gute Grundsubstanz an Songs, einen prima Gesangsvortrag (außer vielleicht bei manchen Autotune-Chören!), aber insgesamt zuviel Pop bei der instrumentalen Umsetzung. Fehlkauf? Noch unklar. Ich werde mit zeitlichem Abstand wohl nochmal reinhören. Und schade, dass ich die anscheinend guten Texte einer wohl zusammenhängenden Geschichte (Konzeptalbum?) beim Hören nicht wirklich mitlesen konnte. Ich konnte meine Lupe leider nicht finden.
(2026-06-25)