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Archiveintrag #5834 (690725)
Plattentipp!Plattentipp  
Interpret
Jerry Berkers 
Titel
Unterwegs 
Veröffentlichung
1972
Aufnahme
1972 
Label
Pilz 
Tonträgertyp
Album (LP) 
Instrumentalstil
 
Musikstil
Singer/Songwriter  
Essembleart
 
Besetzung
Jerry Berkers (v, ag, eg, bg, perc), Bernd Witthüser (ag), Jürgen Dollase (keyb), Walter Westrupp (hp), Bill Barone (eg), Tommy Engel (dr, perc, v), Dieter Dierks (v) 
Produzent
Dieter Dierks 
Mit eigenen Worten ...
Ein Holländer mit deutschen Texten ... das sollte eigentlich überhaupt nicht mein Ding sein. Zwar ist schon wieder eine ganze Zeit vergangen, seit ich dieses Album aus der Grabbelkiste gezogen habe (damals gab's in Essen noch einen 2001-Laden!), aber ich bin erst jetzt zum intensiven Hören gekommen - und irgendwie fasziniert von dem Mann!

Wie gesagt - Jerry Berkers ist Holländer und war bis zum Zeitpunkt der Aufnahme seines Soloalbums noch Sänger und Bassist der Mönchengladbacher Deutschrock-Band Wallenstein, deren zweites Album "Mother Universe" ich immer sehr gemocht habe. Rolf-Ulrich Kaiser, Chef diverser Krautrocklabels, muss dann aus irgendwelchen Gründen beschlossen haben (oder wurde er dazu überredet?), dass ein Soloalbum von Jerry Berkers eine gute Idee sei. Im Sommer 1972 brachte er dann Jerrys Bandkollegen Jürgen Dollase und Bill Barone, den Kölner Trommler Tommy Engel (ja, genau der von den Bläck Föös!!!), Bernd Witthüser und Walter Westrupp im Kölner Studio von Dieter Dierks zusammen, um nicht nur "Unterwegs", sondern auch das Album "Bauer Plath" von Witthüser & Westrupp aufzunehmen. Der Mann war also offensichtlich nicht nur ein kosmischer Spinner ('tschuldigung: ein KOSMISCHER KURIER), sondern wohl auch ein praktisch veranlagter Mensch!

Zurück zur Musik: es handelt sich natürlich schon um "Krautrock", aber mit viel Folk, etwas Country und schönen rockigen Einlagen, klasse Mellotronsounds von Dollase und schönen Gitarrensoli von Barone. Einmal klingt's fast wie bei Neil Young ("Down By The River": etwas ungewöhnlich im "kosmisch-progressiven Umfeld"!). Vor allem aber sind es die interessante Stimme von Jerry Berkers, mit charmantem holländischem Akzent, wie auch Nanny de Ruig auf dem ersten Hölderlin-Album, und seine verschrobenen Texte, irgendwo zwischen Persönlichem und Politischem, die mich ansprechen.

Einen bitteren Nachgeschmack hat das Ganze, wenn man weiß, was nach dieser Plattenveröffentlichung mit Jerry passierte: im Herbst 1972 war er bei Wallenstein ausgestiegen und versuchte sich zunächst als Solokünstler. Nachdem er sich für die Songtexte auch mit seinen traumatischen Erfahrungen als sehr junger Musiker in einer Showband, die in Vietnam während des Krieges zur Truppenunterstützung tourte, beschäftigt hatte, geriet er anscheinend psychisch immer mehr in Schieflage. Irgendwann ließen ihn seine Eltern dann wohl in die Psychiatrie einweisen und er war für Jahre von der Bildfläche verschwunden. Vor einigen Jahren soll er schließlich an einer Überdosis Kokain verstorben sein. Nachlesen kann man das so zumindest auf der Webseite des damaligen Wallenstein-Trommlers Harald Großkopf.
(2008-06-28) 

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