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Michaels aktuelle Plattentipps

Courtney Barnett: "Creature Of Habit" (Virgin/Fiction/Mom+Pop, März 2026)
Ich liebe die Musik der Australierin schon seit vielen Jahren, also seit ihrem Debütalbum "A Sea Of Split Peas", das ja nur eine Zusammenstellung von zwei bei uns nicht erhältlichen EPs war. Was als obskurer Schrammelgitarrenpop begann, das ist das eigentlich immer noch - nur dass sie jetzt in in L.A. angekommen ist und ihren lakonischen Gesang und ihr typisches und wiedererkennbares Gitarrenspiel mit so bekannten und angesagten Kollegen wie Singer/Songwriterin Katie Crutchfield (besser bekannt als Waxahatchee), Keyboarder und Produzent Samuel Shepherd (besser bekannt als Floating Point) und dem Chili-Pepper-Bassisten (und Landsmann!) Flea aufnimmt und von der popkulturellen Öffentlichkeit mehr denn je wahrgenommen und auch geschätzt wird. Wichtigste Kollaborateurin von Courtney Barnett neben Produzent John Congleton ist übrigenz, wie auf den Alben zuvor, die ebenfalls aus Australien stammende Schlagzeugerin Stella Mozgawa, dem einen oder anderen vielleicht von der Band Warpaint bekannt, die über ihr Hauptinstrument hinaus auch Bass und Keyboards spielt und in den Songwriting- und Produktionscredits aufgeführt wird. Bestes Courtney Barnett-Album bislang? Möglicherweise nicht, aber trotzdem ganz ausgezeichnet!
(2026-04-05)
[Things Take Time, Take Time. (2021)]
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Motorpsycho: "The Gaia II Space Corps" (NFGS, März 2026)
Es ist passiert. Motorpsycho gibt's bei mir dieses Mal nur auf CD. Die Vinylausgabe war mir definitiv zu teuer - und ist auch kein Doppelalbum, wie sonst so oft. Jetzt bin ich mal gespannt, ob ich das trotzdem bereuen werde ...
(2026-03-29)
[Motorpsycho (2025)]
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The Monochrome Set: "Lotus Bridge" (Tapete, März 2026)
Ein Geheimtipp aus der Punk/New Wave-Zeit der frühen 80er, den ich erst relativ spät für mich entdeckt habe. Seit den 2010er-Jahren hat die Band auf dem Hamburger Tapete-Label erstaunlich viele Alben veröffentlicht, fast schon im Jahres-Rhythmus. Wie ich in meiner Plattensammlung feststelle ist aber mein bislang letztes Album von 2019, "Fabula Mendax", und "Lotus Bridge" kam jetzt doch etwas überraschend für mich, ist aber wieder gelungen. Die Band klingt vor allem wegen dem Gesang und der Rhythmusgitarre von Bandleader/Songschreiber Bid eigentlich immer gleich - aber eben immer gleich gut und interessant. Gute Songtexte, schöne Schrammelgitarren.
(2026-04-05)
[Eligible Bachelors (1982)] [Fabula Mendax (2019)]
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The Delines: "The Set Up" (Decor/el Cortez, März 2026)
Wie konnte ich diese tolle Band nur all die Jahre übersehen? Erst vor kurzem hat mir der YouTube Algoritmus einen Auftritt der Band beim wunderbaren Sender KEXP nähergebracht - und jetzt bin ich begeistert. Mastermind der Band ist der zurückhaltend agierende Gitarrist Willy Vlautin, der alle Songs schreibt und vor einigen Jahren mal Sänger, Gitarrist und (natürlich auch) Songschreiber der ebenfalls großartigen Band Richmond Fontaine war. Bei den Delines ist auch die alte Rhythmusgruppen jener Band dabei, was die "neue" Band aber noch großartiger macht, das sind der Gesang von Amy Boone und das Trompeten- und Keyboardspiel von Cory Gray.
(2026-04-04)
[Richmond Fontaine]
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The Notwist: "News From Planet Zombie" (Morr Music, März 2026)
Diese Band ist etwas Besonderes und Einmaliges, immer sofort erkennbar und trotzdem immer anders - so wie gute Musik eben sein muss. Deshalb steht die Band für mich auf gleicher Ebene wie etwa Stereolab, Tindersticks und Sonic Youth, die auch immer in ihrer eigenen Liga spielen und sich weiterbewegen. Das neue Album der Band um die Brüder und Gründer Micha und Markus Archer hat wieder die große, erweiterte "Familie" um sich versammelt, bei der völlig selbstverständlich E- und A-Gitarren, Elektronik, Streicher, Bläser und ein Vibraphon zu einem großartigen Gesamtklang zusammenfinden. Was dabei vielleicht etwas unterschätzt wird: die Stimme von Micha Archer, eher flüsternd und leise als die von einem "richtigen Sänger": sie hält alles zusammen, ist trotz ihrer Zartheit der wahre Mittelpunkt von "The Notwist".
(2026-03-31)
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Bonnie 'Prince' Billy: "We Are Together Again" (Domino, März 2026)
Will Oldham ist ein Phänomen: fast jedes Jahr gibt es ein neues Album mit neuen Liedern, die sich zwar immer irgendwie gleich anhören, aber eigentlich nie langweilig oder beliebig sind, sondern immer gut oder wenigstens interessant sind. In manchen Jahren war mir das immer dann zu wenig, wenn er sich bei der Umsetzung wenig bis keine Mühe gegeben hat. Seit ein paar Jahren hat sich da aber eine gewisse Stringenz entwickelt: es klingt immer noch ein wenig amateurhaft, da werden zum Beispiel nicht ganz perfekte Chorgesänge so belassen wie sie sind, weil es einfach "gefühlsmäßig" passt. Aber es hat immer seinen Charme und seine ganz eigene Eleganz und Wahrhaftigkeit. Der Mann komponiert (immer) und singt (meistens) in seiner ganz eigenen Liga.
(2026-03-14)
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The Wave Pictures: "Gained/Lost" (Bella Union, Feb. 2026)
Bei "Gained/Lost" kostete die Vinyl-Ausgabe mit 32 Oiro gegenüber der CD mit 15 Oiro sogar mehr als das Doppelte, also habe ich mich auch hier schwerens Herzens für die günstigere Variante entschieden. Jetzt sitze ich hier mit der leider ziemlich spartanischen, fast billig wirkenden CD und bin unsicher, ob ich mich beim Kauf richtig entschieden habe. Das Cover zitiert immerhin ein anderes berühmtes Plattencover, was ich immer wieder schön finde. Die "Zitat-Vorlage" muss ich hier auch garnicht extra erwähnen: Schaut einfach auf die Seite "Cover The Cover", wo ich einige solcher Huldigungen aufgeführt habe, unter anderem noch ein weiteres Cover von den Wave Pictiures, denn die sind da Wiederholungstäter.
Das erste Hören der Musik hat in Bezug auf meine Kaufentscheidung auch nicht wirklich weitergeholfen - das britische Gitarrentrio spielt in gewohnt hoher Qualität. Und eigentlich sollte die Musik und nicht die Verpackung entscheidend sein, aber wie sagte schon die chinesische Blueslegende Konfuzius: "das Auge hört mit".
(2026-03-19)
[Cover The Cover]
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Buck Meek: "The Mirror" (4AD, Feb. 2026)
Mein Interesse an der Musik von Buck Meek rührt natürlich daher, dass er der Gitarrist von Big Thief ist. Und ähnlich wie bei seiner Hauptband handelt es sich hier um Folkrock, der etwas gegen den Strich gebürstet ist. Auch seine Bandkollegin Adrienne Lenker ist im Chor dabei, während Bandkollege und "hauptberuflicher" Schlagzeuger James Krivchenia hier der Produzent ist und gelegentlich Keyboards spielt. Der Unterschied zu Big Thief? Eigentlich nur, dass Buck Meek hier auch als (fast) alleiniger Songschreiber und als Hauptsänger zu hören ist. Seine Stimme ist zwar etwas dünn, vielleicht sogar gewöhnungsbedürftig, aber das stört mich nicht, weil das hier alles vom Herzen kommt. Sei es auch alles etwas rumpelig und gewöhnungsbedürftig. Solch fragile, kostbare Musik gibt es hetzutagr leider viel zu wenig. Die Namen von Musikern mit Gastauftritten sind auch nur aus einer "nerdigen Sicht" als "große Namen" einzuordnen (die ich natürlich kenne und schätze!): Mary Lattimore an der Harfe, Jolie Holland (Ex-Be Good Tanyas) und Jonathan Wilson zweimal als Schlagzeuger.
(2026-04-04)
[Big Thief | Jolie Holland | Jonathan Wilson]
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The Green Apple Sea: "Dark Kid" (K&F, Feb. 2026)
Ich liebe diese Folkrockband aus Nürnberg, deren Wurzeln bis zurück ins Emsland reichen, weshalb die Freude auf ein neues Album nach langer Pause auch sehr groß ist. Das Album "Northern Sky - Southern Sky" war 2010 sogar mal meine Platte des Jahres. Die Lieder auf der neuen Platte gefallen mir beim ersten Hören auch sehr gut, aber leider klingt die Platte irgendwie dünn und ist sehr leise bei wenig Dynamik. Normalerweise mäkel ich an so etwas nicht herum - ich habe von Tontechnik auch keine echte Ahnung - aber hier scheint vielleicht nicht vernünftig gemastert worden zu sein. Andere Platten, die ich am selben Tag gehört habe, waren gefühlt fast doppelt so laut und hatten irgendwie auch mehr Dynamik und Transparenz. Naja - da werde ich wohl mal mit dem Kopfhörer ranmüssen - und vielleicht auch etwas lauter drehen. Ach ja - neben Songschreiber und Sänger Stefan Prange sind zahlreiche andere Musiker beteiligt, die im Laufe der Jahre wohl zur Band gehört haben oder noch dazu gehören. Unter anderem mehrere Musiker der ebenfalls in Nürnberg beheimateten Band "Missouri", die ich auch immer sehr geschätzt habe, die aber anscheinend selber inaktiv oder sogar aufgelöst ist. Sehr schade, aber ein ganz anderes Thema.
(2026-03-19)
[Northern Sky - Southern Sky (2010)| Missouri]
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Iron & Wine: "Hen's Teeth" (Sub Pop, Feb. 2026)
Mein erstes Album von Sam Beam seit ein paar Jahren, das ich mir gekauft habe - ohne dass mir gerade ein Grund für diese "Diät" einfällt. Auf jeden Fall bin ich bei den "Hühnerzähnen" wieder an Bord, auch wenn mir, wie so oft in letzter Zeit, die Vinylausgabe zu teuer war. Auf jeden Fall ist das hier ein schönes Singer/Songwriter-Album.
(2026-03-31)
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The Matthews Baartmans Conspiracy: "(Distant Chatter)" (Plane Groovy, Okt. 2021)
Zwar schon vor knapp fünf Jahren erschienen, nur Iain und sein Langzeitpartner BJ Baartmans, also ihr "Lock Down Album", aber erst jetzt von mir auf dem Konzert der beiden in Dortmund entdeckt. Iains Gesang und Texte, kombiniert mit der Musik vom holländischen Alleskönner Baartmans: Das ist auch auf Platte ziemlich gu geraten. Spät, aber nicht zu spät entdeckt!
(2026-03-09)
[The New Mine (Matthews Southern Comfort, 2020) | How Much Is Enough - Volume One (2024)]

Konzerthighlight: Blue Notez, Dortmund, 07.03.2026
Eigentlich hätte ich dieses Konzert verpassen müssen, obwohl ich die Karte bereits im letzten Herbst geordert hatte, denn wir hatten unseren Studiotermin mit W4L auf dieses Wochenende gepackt, wo ich mittelschweren Herzens zugestimmt hatte. Nur "mittelschwer" insofern, weil ich Iain Matthews bereits mehrfach live gesehen hatte und annahm, da auch nichts "Wichtiges" zu verpassen. Die Karte wollte ich also verfallen lassen. Dann mussten wir den Studiotermin aber noch ein weiteres Mal verschieben und als Trost konnte ich mich nun doch noch nach Dortmund aufmachen!
Die Anreise mit dem Auto war wegen einer Vollsperrung auf der A42 und einer Umleitung mitten durch Herne ziemlich nervig. Verspätet kam ich in Dortmund an, fand dann den Club "Blue Notez", der sich im Keller eines Schulzentrums befindet, nur mit Mühen wieder, weshalb Iain Matthews bereits mitten in seinem ersten Set war. Zu meinem Glück gab es aber wenigstens genug Sitzplätze, da nur knapp 50 Zuschauer zu dem Konzert gekommen waren. Iain Matthews sagte dazu mit Galgenhumor, dass er "im Spätherbst seiner Karriere nur noch mit 15 bis 20 Zuschauern rechnete" und deshalb hocherfreut über jeden der Anwesenden war. Das Konzert hat er im Duo mit BJ Baartmanns bestritten, mit dem er auch bei "Matthews Southern Comfort" spielt: Zwei Gitarren, zwei Stimmen, es klang alles wirklich wunderbar. In der Pause habe ich mir dieses Duo-Album der beiden als Vinyl gekauft und es sogar von Iain, der übrigenz ein sehr netter Mensch zu seinem scheint und für einen fast-80-Jährigen noch richtig gut rüberkommt, unterschreiben lassen, was ich sonst eher selten tue.

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Bill Callahan: "My Days Of 58" (Drag City, Feb. 2026)
So wie schon in den letzten Jahren: Bill Callahan auf Doppelvinyl für knapp 40 Oiro waren mir schon bei den letzten beiden Malen, "Ytilaer" von 2022 und kurz danach ein Livealbum, zu viel. Auch "My Days Of 58" hat wieder dieses tolle Pappcover für die CD Ausgabe, was wie bei diesen ein schöner Ersatz ist, doch finde ich das Albumm schon nach dem ersten Hördurchlauf so gut, dass es locker ein Kandidat für meine Jahres-Top-10 ist, was bei mir seit "Dream River" von 2013 nicht mehr passiert ist. Beste Platte des Jahres und nur auf CD ... ich warte mal ab, wie sich das so entwickelt.
(2026-03-01)
[Dream River (2013) | Ytilaer (2022) | Resuscitate! (2024)]
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M. Walking On The Water: "e" (Fuego, Feb. 2026)
Ein neues Album der besten Band vom linken Niederrhein ist immer eine Freude für mich, auch wenn "e", so der Name des neuen Albums ("e" wie "Esel" und natürlich der fehlende Buchstabe im letzten Album "Lov" von 2021), mein bislang teuerstes Album ist: 40 Oiros plus Versandkosten sind schon eine echte Hausnummer, dafür halte ich aber jetzt die von Markus Maria Jansen unterschriebene Nummer 71 von 300 in der Hand. Die Kosten des Albums sind wahrlich auch deswegen so hoch, weil die Platte in einer spektakulären Fellhülle steckt. Das Fell ist natürlich nicht vom Esel auf dem Cover, sondern sicherlich total vegan. Allerdinx weiß ich jetzt noch nicht so genau, wie ich das Album nach dem Hören bei mir im Plattenregal verstauen soll. Aber das ist natürlich ein spiessiges Detailproblem meinerseits und kann/soll den Junx aus Krefeld völlig egal sein.
Die Musik? Der von den M.'s gewohnte Polkarock auf höchstem Niveau mit durchweg guten, neuen Songs, eingespielt live im Studio (vor Eingeweihten?) in der klassischen Besetzung, die in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder zusammenkommt, um die beiden Sänger und Gründungsmitglieder Markus Maria Jansen und Mike Pelzer. Ich mag das sehr. Und jetzt grüble ich schon wieder, wie ich die Platte später mal wegsortieren soll ... da kann ich wohl nicht raus aus meiner Haut!
(2026-02-14)
[Lov (2021)]
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Lucinda Williams: "World's Gone Wrong" (Thirty Tigers/Highway 20, Jan. 2026)
Protestlieder sind nicht unbedingt meine Sache, sei es als Hörer oder als Songschreiber. Da ist immer die Gefahr, dass man etwas kreiert, das keine grosse Haltbarkeit hat und schnell "dated" wirkt. Andererseits ist da ein Bedürfnis nach solchen Liedern, vielleicht nicht um die "Bösen" zu überzeugen, sondern um den "Guten" Trost zu spenden. In den letzten Jahren bin ich als Songschreiber einem tagespolitischen Bezug immer aus dem Weg gegangen. Zwar kommt in meinem Lied "Strange Times" vom letzten W4L-Album "Rain Meditations" ein "yellow faced trickster" vor und jeder wird wissen, wer gemeint ist. Allerdings hatte ich das Lied bereits 2020 geschrieben - und damals kam mir der gelbgesichtige Betrüger noch nicht annähernd so schlimm vor wie in letzter Zeit. Auch auf der neuen W4L-CD wird es ein Lied geben, bei dem ich versucht war, es zu einem Protestlied zu machen, aber im "Elbow Song" habe ich es dann doch bei der Symbolik von "A hard wind is blowing from the cold, cold east, And one is coming from the west" belassen.
Trotzdem finde ich Protestlieder wichtig, die sagen, was Sache ist. Zurück also zu Lucinda Williams: vor wenigen Tagen habe ich auf YouTube ein Video gesehen, in dem Lucinda Williams mit ihrer Band das am selben Tag erschienene neue Album komplett live spielt und über die Lieder spricht - und ich war beeindruckt. Von der Kraft und Spielfreude der Band und besonders von der Stärke von Lucinda, die da tapfer und kraftvoll, trotz eines offensichtlichen gesundheitlichen Handicaps (Schlaganfall?), gegen alles Üble ansingt, aus dem die Welt und besonders die USA im Moment wohl bestehen. Das klang alles so überzeugend, dass ich mir nach längerer Pause mal wieder ein neues Lucinda-Album gegönnt habe.
Bevor mich die Platte dann vor wenigen Tagen erreicht hat, habe ich aber leider einige Kritiken gelesen und gehört (auch auf YouTube), wo die Platte schlecht bis mäßig wegkommt und ich war natürlich ein wenig in Sorge, denn auch ich habe tatsächlich ein paar Lucinda-Alben aus den letzten Jahren im Plattenschrank, die ich nicht besonders gut finde. Jetzt läuft das Album bei mir zu hause - und ich finde es große Klasse. Die Band ist auf den Studioversionen genau so gut und kraftvoll wie in der angesprochenen Liveperformance (die Gitarristen Doug Pettibone und Marc Ford, der Hammondspieler Rob Burger, Bassist David Sutton und Trommler Brady Blade), die gelegentlichen Gäste machen einen guten Job, zum Beispiel bei der gelungenen Bob-Marley-Coverversion von "So Much Trouble In The World", wo Mavis Staples Lucinda NICHT an die Wand singt (wie in einer Kritik behauptet wird). Norah Jones unterstützt bei der letzten Nummer "We've Come Too Far To Turn Around" sehr schön am Klavier und mit dezenter, zweiter Stimme. Ein Lied ("Low Life") hat Lucinda zusammen mit den drei Musikern der angesagten Indie-Folk-Band Big Thief komponiert. Allerdings waren Adrienne Lenker, Buck Meek und James Krivchenia im Studio nicht dabei. Das wäre vielleicht schön gewesen, spielt aber eigentlich keine Rolle. Stattdessen ist dort der legendäre Mickey Raphael (von Willie Nelsons Band) mit ein paar schönen Tönen auf der Bluesharp zu hören.
Insgesamt eine gute Platte mit Protestliedern, die auf jeden Fall das Potential hat, uns in diesen schlechten Zeiten ein wenig Kraft und Trost zu geben.
(2026-02-08)
[Big Thief | Rain Meditation]
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